155
Sie ſey von kalter und gefühlloſer Gemüthsart, und jeder Leiden⸗ ſchaft, die Eitelkeit ausgenommen, abgeſtorben, zugleich aber ſo blind gegen das Verdienſt, daß er eine Wette einginge, ſie werde am Ende eine Beute des reichſten Dummkopfs. Einem großen Theil dieſer Zuflüſterungen ſchrieb ich dem Hange meines Freundes zur Satyre oder einem Rachgefühl zu, darüber, daß er von der fraglichen Dame eine Abweiſung erhalten habe. Zugleich ſetzte ich in meine Vollkommenheiten ſo blindes Vertrauen, daß ich der Meinung war, kein weibliches Weſen könne dem Feuer meiner Bewerbungen in die Länge widerſtehen.
Dieſer Zuverſicht voll begab ich mich nach Hampſtead in Be⸗ gleitung Billy Chatters, Mylord Hobble's und Doctor Wagtails. Dort ſah ich eine ſehr glänzende Geſellſchaft, vor der ich die Ehre hatte, ein Menuet mit Melinda zu tanzen, welche mich durch ihr offenes Weſen und ungekünſteltes Benehmen entzückte. Bevor die Contretänze ihren Anfang nahmen, erhielt ich vurch eine mir unbekannte Perſon eine Botſchaft von Bragwelln, der anweſend war, mit der Weiſung, Riemand, der ihn kenne, dürfe es ſich herausnehmen, mit Melinda zu tanzen, ſo lange er in Perſon da ſey, und ich würde wohl varan thun, ſie in aller Stille zu ver⸗ laſſen, weil er im Sinne habe, einen Conttetanz mit ihr aufzu⸗ führen. Dieſe auffallend klingende Benachrichtigung, welche vor Melinda's Ohren mir überbracht ward, benahm mir nicht im Mindeſten die Faſſung, da ich mit dem Characker meines Neben⸗ buhlers nun Lollkommen vertraut war. Ich hieß veshalb, ohne das minveſte Zeichen von Unrühe zu vetrathen, ven Ueberbringer der Botſchaft Herrn Bragwell fagen, da ich ſo glücklich ſey, die Einwilligung ver Lady zu beſitzen, ſo kümmere ich mich um die ſeinige gar nichts. Zugleich drückte ich gegen den Botſchafter den Wunſch aus, er möchte künftig ähnliche unverſchämte Mittheilungen unterläſſen. Melinda ſtellte ſich gänz verwirrt und verwundert, daß Herr Bragwell ſich ſolche Freiheiten in Betreff ihrer erlaube,


