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welche ſie Morgens vermuthlich, um die Winde abzuireiben, ver⸗ ſchlungen hatte, begann in ſo plötzlichem Ausbruche ihre Wirkung kund zu geben, daß meine Menſchennatur dieſen Anfall nicht er⸗ tragen konnte. Ich verlor alle Geduld und Beſonnenheit, entriß mich ihr augenblicks, griff nach meinem Hute und Stock, rannte die Treppe hinab, als ob der Teufel mir auf den Ferſen folgte, und konnte kaum einen Krampf in meinen Eingeweiden unter⸗ drücken, die durch den, auf mich eindringenden, Geruch ſtark an⸗ gegriffen waren. Strap, der meine Rückkehr mit Ungeduld er⸗ wartete, ſah mich in der größten Gemüthsaufregung ankommen, ſtand bewegungslos und voll Beſorgniß da, und wagte es kaum, nach der Urſache hievon zu fragen.
Als ich meinen Mund mehr als einmal ausgeſpült, und durch ein Glas Wein meine Lebensgeiſter erquickt hatte, erzählte ich ihm jeden Umſtand dieſer Begebenbeit. Hierauf gab er eine Zeit lang keine Antwort, ſondern hob ſeine Augen gen Himmel, faltete ſeine Hände, und ließ einen tiefen Seufzer hören. Endlich bemerkte er in traurigem Tone, es ſey tauſend Schade, daß meine Geruchs⸗ organe ſo zart ſeyen, um durch Knoblauch beleidigt zu werden. „Ach! helf' uns Gott!“ ſprach er,„weder der Geruch des Knob⸗ lauchs, nein! noch von ſonſt Etwas Anderem würde mir das ge⸗ ringſte Uebelbefinden verurſachen. Da ſeht Ihr, was es werth iſt, eines Schuhflickers Sohn zu ſeyn!“
Ich gab haſtig zur Antwort:„Nun! dann wünſche ich, Ihr möchtet hingehen, und mein verunglücktes Benehmen wieder gut machen.“ Bei dieſer Zumuthung fuhr er auf, zwang ſich zu einem Lächeln, und verließ kopfſchüttelnd das Zimmer. Ob die alte Chrenwächterin meine plötzliche Entfernung ſo ſtreng ahndete, daß ihre Liebe in Haß überging, oder ſich wegen ihrer, an den Tag gelegten, Schwäche ſchämten, mich wieder zu ſehen, weiß ich nicht, genug! ſie ließ mich von da an mit ihren Liebesanträgen in Ruhe.


