3
136
Behauptung zufolge ganz unpaſſend von Kaffeetrinkern geſagt werde, da man dieſe Flüſſigkeit nicht trinke, ſondern nippe over ſchlürfe; die urſprüngliche Bedeutung des Wortes trinken ſey die, Jeman⸗ des Durſt löſchen oder eine Maſſe Weins Verſchlucken. Das lateiniſche Wort, welches den gleichen Sinn ausdrücke, ſey pibere oder potare, und das griechiſche wiwerw oder woreerv, obgleich er annehmen zu müſſen glaube, daß beide bei verſchiedenen Veranlaſ⸗ ſungen auch verſchieden gebraucht wurden. Nämlich: eine große Maſſe trinken, oder, wie man gewöhnlicher fagt, ſaufen, ſey das la⸗ teiniſche potare und das griechiſche woreetv, mit Maaß aber trin⸗ ken, werde durch bibere und wpsw ausgedrückt. Dieß ſey zwar nur eine Vermuthung von ihm, ſcheine aber durch das Wort bibu⸗ lus beſtätigt zu werden, ein Wort, welches beſonders auf die Po⸗ ren der Haut ſeine Anwendung finde, welche wegen der Kleinheit ihrer Durchmeſſer nur eine ſehr geringe Maſſe der, im Kreislauf befindlichen, Flüſſigkeit verſchlucken können; während das Wort worsetv dem Subſtantiv noratog, das einen Fluß oder eine große Menge Flüſſigkeit bedeute, zu Grunde liege. Ich konnte mich ei⸗ nes Lächelns über dieſe gelehrte und wichtige Unterſuchung nicht enthalten, und bemerkte, um meinem neuen Bekannten, deſſen Tem⸗ perament ich nun hinlänglich kennen gelernt hatte, deſto mehr Achtung vor mir einzuflößen, ſeine Behauptung ſcheine, nach Allem, was ich über dieſen Gegenſtand wiſſe, dem Geiſte der alten Claſſiker nicht gemäß zu ſeyn: denn Horaz bediene ſich der Wörter poto und bibo ohne Unterſchied, wie es in der zwanzigſten Ode des erſten Buchs heiße: Vile potabis modicis Sabinum cantharis.
Et praelo domitam Caleno tu bibes uvam.*)
Das Zeitwort norestp ſey mir unbekannt, und die Wörter rorauog, moruc und wonog leite man von winco, nooc,
*) Leichten Trunk, Sabiner, in ſchmalen Kruͤglein zechſt du heut. Dein Getraͤnk iſt, was Cales edler Traub' ausrieſelte⸗


