Einundvierzigſtes Kapitel.
Narciſſa ſchwebt in Gefahr vor der Roheit des Sir Timotheus, und wird von mir errettet; ich nehme an meinem Nebenbuhler Rache; erklaͤre meine Leidenſchaft und begebe mich an das Meeres Ufer, werde von Schmugglern umringt und nach Boulogne gefuͤhrt; finde meinen Oheim, Lieutenant Bowling, in großer Noth, und errette ihn daraus; unſere Unterhaltung.
Zu gewiſſen Zeiten wollte mein Ehrgeiz wieder erwachen; ich pflegte mir wegen meiner demüthigen Ergebung in mein nie⸗ driges Loos Vorwürfe zu machen und hundertlei Pläne zu ent⸗ werfen, um den Charakter eines Gentleman anzunehmen, wozu ich mich durch Geburt und Erziehung für berechtigt hielt. Unter dieſen fruchtloſen Entwürfen verſtrich die Zeit unvermerkt, und ich hatte ſchon acht Monate lang die Stelle eines Bedienten ausge⸗ füllt, als ein Fall ſich ereignete, welcher meiner Knechtſchaft ein Ende machte und für den Augenblick jede Hoffnung, in meiner Liebe glücklich zu ſeyn, mir aus den Augen rückte.
Nareiſſa ging eines Tages auf Beſuch zu Miß Thicket, welche, keine ganze Meile von unſerer Wohnung entfernt, bei ihrem Bru⸗ der lebte, und ließ ſich überreden, in der Kühle des Abends und in Begleitung des Sir Timotheus den Rückweg anzutreten. Dieſer, welcher viele brutale Sinnlichkeit an ſich hatte, ließ ſich, aufge⸗ muntert durch die einſame Lage eines Feldes, welches ſie durch⸗ ſchritten, verleiten, einige unanſtändige Vertraulichkeiten ſich gegen ſie zu erlauben. Das liebenswürdige Geſchöpf war über ſein rohes Venehmen erbittert und warf es ihm auf ſolche Art vor, daß er jede ſchickliche Rückſicht bei Seite ſetzte und dieſem Muſter von Un⸗ ſchuld und Schönheit wirklich Gewalt anthun wollte. Doch der Himmel ließ es nicht zu, daß ein ſo liebes Weſen gewaltſam an⸗ getaſtet wurde, und ſchickte mich, zufällig an dem Platze vor⸗


