111 erhabenen Eltern wünſchten. Die Hofklatſchen erklär⸗ ten dieſe Thatſache durch die Behauptung, daß die Prinzeſſin Anna Comnena ſchöner wäre, wenn ſie nicht ſo gelehrt thäte; auch hätte ſie, obwohl ſie noch ſchön wäre, ſchon etwas von ihren Reizen durch die Erwerbung ſo vieler Kenntniſſe verloren.
Der Sitz des Nicephorus⸗Briennes war von den Kammerdienern ſo nahe als möglich bei den der Prin⸗ zeſſin geſtellt worden, damit ſie keinen einzigen Blick auf ihren ſchönen Gemahl verloͤre, und damit ihm nicht das geringſte Theilchen von der Weisheit, welche aus den Lippen ſeiner gelehrten Gemahlinn ausſtrömen konnte, entgienge.
Zwei andere Ehrenſitze, oder richtiger zu ſagen zwei Throne, da ſie Fußſchemel, Lehnen für die Arme und geſtickte Kiſſen zum Anlehnen hatten, ohne den ſie bedeckenden Prachthimmel zu erwaͤhnen, waren für den Kaiſer und ſeine erhabene Gemahlin beſtimmt, welche häufig den gelehrten Uebungen ihrer Tochter beiwohn⸗ ten, die ſie, wie vorhin bemerkt wurde, in Geſellſchaft betrieb. Bei dieſen Gelegenheiten genoß die Kaiſerinn Irene den Triumph, welchen jede Mutter einer voll⸗ kommenen Tochter empfindet, während daß Alexius nach Umſtaͤnden bald wohlgefällig die Schilderung ſeiner eigenen Thaten anhörte, bald dem Patriarchen Zoſi⸗ mus und den andern Gelehrten Zeichen der Zufrieden⸗ heit gab, wenn ſie ihre Geſproͤche über die Geheimniſſe der Philoſophie vorlas.


