11¹⁰ hinlänglichen Begriff von den Gäſten oder der ver⸗ ſammelten Geſellſchaft geben.
Die Prinzeſſin Schriftſtellerin hatte glänzende Au⸗ gen, regelmäßige 3 uͤge und ein angenehmes, einneh⸗ mendes Betragen; Vorzüge, die freilich alle Welt der Tochter des Kaiſers eingeräumt haben würde, wenn es auch der ſtrengen Wahrheit nicht gemaͤß geweſen waͤ⸗ re. Sie ſaß auf einer kleinen Bank oder Sopha, denn das ſchöne Geſchlecht durfte ſich in Conſtantinopel nicht
niederlegen, wie die Römiſchen Frauen zu thun pfleg⸗
ten. Ein vor ihr ſtehender Tiſch war mit Büchern, Pflanzen, Kräutern und Zeichnungen bedeckt; ihr Sitz war etwas höher, und diejenigen, welche das Ver⸗ trauen der Prinzeſſin genoſſen, oder welche ſie be⸗ ſonders zu ſprechen wünſchte, durften während dieſer erhabenen Unterredung ihre Kniee auf den Rand ihres Sitzes ſtützen, und ſo halb aufrecht, halb knieend blei⸗ ben. Drei andere Stühle von verſchiedener Höhe ſtan⸗ den auf derſelben Erhöhung und unter demſelben prächtigen Thron⸗Himmel wie der Sitz der Prin⸗ zeſſin Anna.
Der erſte, welcher in Größe und Bennemlichkeit vollkommen dem ihrigen glich, war für ihren Gemahl Nicephorus⸗Briennes beſtimmt. Man ſagte er hät⸗ te oder heuchle wenigſtens eine große Verehrung für die Gelehrſamkeit ſeiner Frau, obwohl die Höflinge meinten, er ſuche ſich häufiger dieſen Abendgeſellſchaf⸗ ten zu entziehen, als es die Prinzeſſin Anna und ihre


