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Prinzeſſin, erwiederte der Wäringer, ich werde Alles mit Aufmerkſamkeit anhören, was Ew. Hoheit belieben wird mir vorzuleſen; aber weit entfernt ſey von mir der Gedanke, eine Geſchichte, die von einer im Purpur gebornen Prinzeſſin geſchrieben iſt, richten zu wollen. Noch weniger würde es ſich für einen bar⸗ bariſchen Wäringer ſchicken, über das kriegeriſche Be⸗ tragen des Kaiſers, der ihn reichlich bezahlt, oder über den Befehlshaber, von dem er gut behandelt wird, ein Ur⸗ theil zu fällen. Wenn unſer Rath vor einer Schlacht begehrt wird, ſo geben wir ihn immer aufrichtig; aber nach meiner beſchränkten Einſicht würde unſer Urtheil nach beendigter Schlacht mehr mißfällig als nützlich ſeyn. Was den Protoſpathairen anbelangt, ſo kann ich, wenn es die Pflicht des Feldherrn erheiſcht, nicht im Handgemenge zu ſeyn, mit vollkommener Gewiſ⸗ ſensruhe verſichern, ja ſchwören im Nothfalle, daß ich niemalen unſeren unbeſigbaren Oberbefehlshaber an ir⸗ gend einem Orte, wo einige Gefahr vorhanden war, in der Wurfweite geſehen habe.
Dieſe mit Dreiſtigkeit und Freimüthigkeit geſpro⸗ chene Rede machte auf die ganze Geſellſchaft einen großen Eindruck. Dem Kaiſer ſelbſt und dem Achilles Tatius ſah man es an, daß ſie der Gefahr beſſer, als ſie erwartet hatten, entgangen waren. Der Protoſpa⸗ thaire ſuchte aus allen Kräften eine zornige Bewe⸗ gung zu unterdrücken. Agelaſtes, welcher nahe bei dem Patriarchen ſtand, ſagte ihm ins Ohr:— Der nordiſchen Streitaxt fehlt weder Spitze noch Schneide.
Stille! ſagte Zoſimus, warten wir den Verlauf der Sache ab. Die Prinzeſſin will ſprechen.
(Fortſetzung folgt.)
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