37 zu nehmen, ſelbſt wenn Conſtantin ſeine neue Haupt⸗ ſtadt durch die Uebertragung der lebendigen und bele⸗ benden Prinzipien des alten Roms hätte wieder ver⸗ jüngen können, ſo beſtanden dieſe Prinzipien gar nicht mehr, und Conſtantinopel konnte ſie nicht borgen, Rom ſie nicht leihen.
In einem ſehr wichtigen Geſichtspunkte war die Hauptſtadt Conſtantins gänzlich verändert, und dieſe Veränderung war dieſer Stadt über alle Beſchreibung vortheilhaft. Die Welt war damals zum Chriſtenthume übergetreten, und hatte durch Abſchwörung der heid⸗ niſchen Grundſätze die Laſt eines ſchimpflichen Aber⸗ glaubens abgeworfen; ohne allen Zweifel brachte die⸗ ſer reinere Glaube auf die Geſellſchaft die natürlichen wünſchenswerthen Wirkungen hervor, daß er ſtufenweiſe den Herzen beſſere Grundſätze gab, und das Volk be⸗ lehrte, ſeine Leidenſchaften zu zügeln. Aber während eine große Menge Neubekehrter ihren neuen Glauben gelehrig annahmen, gab es Einzelne, die in der An⸗ maßung ihres Verſtandes die heiligen Schriften nach Gutdünken auslegten, und Andere benutzten ihren re⸗ ligiöſen Charakter und ihre Stelle in der geiſtigen Herrſchaft als Mittel, um zu weltlichem Anſehen zu gelangen. Daher kam es, daß in dieſem entſcheidenden Zeitabſchnitte die Wirkungen der großen in der Lan⸗ desreligion eingetretenen Veränderung, obwohl ſie auf der Stelle reichlichen Segen hervorbrachte, und vielen guten Samen ausſtreute, der in der Folge gedeihen


