Teil eines Werkes 
98. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 4. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
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92 rückbert fen werde; ein Befehl, den ſie, glaubte ſie, nicht zu mißachten wagen wuͤrden, da ſie alle ihre Lindereien und Unterhalsmittel in England hatten.

Der junge Darnley war ausgezeichnet ſchlank und ſchoͤn, heſaß feine und hoͤchſt ausgebildete Manieren, war aber un⸗ gluͤcklicherweiſe ohne Scharfſinn, Klugheit und Feſtigkeit des Karakters, und zeigte einen ſehr zweifelhaften Muth, obſchon er in ſeinen Leidenſchaften ungemein heftig war. Haͤtte die⸗ ſer junge Mann einen nur maͤßigen Antheil an geſundem Verſtande, oder auch nur an Dankbarkeit beſeſſen, ſo haͤtten wir vielleicht eine ganz andere Geſchichte von Marig's Re⸗ gierung zu erzaͤhlen ſo wie ſie iſt, wirſt du eine ſehr trau⸗ rige hoͤren. Maria hatte das Unglück, mit parteiiſchem Au⸗ ge auf dieſen jungen Mann zu blicken, und war um ſo eher geneigt, ihrer Zuneigung zu ihm zu willfahren, als ſie den Intriguen, durch welche Eliſabeth ſie zu betruͤgen und ihre Ehe zu verhindern geſucht hatte, ein Ziel zu ſetzen wuͤnſchte, In der That, waͤhrend die beiden Koͤniginnen ſich der Spra⸗ 8 che der liebevollſten Herzlichkeit gegen einander bedienten,. herrſchte weder Auſrichtigkeit noch Redlichkeit, ſondern groſ⸗ ſ ſe Heuchelei, Neid und Furcht, zwiſchen ihnen.

Darnley, der inzwiſchen die Gunſt, in der er bei Maria ſtand, zu erhoͤhen trachtete, nahm ſeine Zuflucht zu der Freundſchaft eines Mannes, der zwar von niederm Range war, allein bei der Koͤnigin in beſonderem Anſehen ſtand. Dieß war ein Italiener von gemeiner Abkunft, mit Namen David Rizzio, der von einem bloßen Diener des Haushalts, der Koͤnigin zu dem vertraulichen Amte eines franzoͤſiſchen 4 Sekretaͤrs erhoben worden war. Seine Talente in der Muſik verſchafften ihm haͤufig die Gunſt, in Maria's Gegenwart, die großen Gefallen an jener Kunſt fand, zugelaſſen zu wer⸗