—
89
ſtin ſuchte, deren Koͤnigreich ſie oder ihre Kinder zu erlangen hoffen konnten, beſonders wenn ſie ihre Gunſt nicht verwirkte.
Eliſabeth von England war eine der weiſeſten und ſcharf⸗ ſinnigſten Koͤniginnen, die je eine Krone trugen, und die Englaͤnder ehren noch bis auf dieſen Tag ihr Andenken mit wohlverdienter Achtung und Waͤrme. Allein ihr Betragen gegen ihre Verwandte Maria offenbarte, vom Anfang bis zum Ende, einen Grad von Neid und Betrug, der ihres allgemeinen Charakters ganz unwuͤrdig war. Entſchloſſen nicht zu heirathen, ſcheint ſie einen gleichen Entſchluß von Seiten Maria's gewuͤnſcht zu haben, um nicht ein fremdes Geſchlecht vor ſich ſehen zu duͤrfen, das ihren Thron unmit⸗
telbar nach ihrem Tode in Beſitz zu nehmen bereit war. Sie
befolgte daher eine veraͤchtliche und hinterliſtige Politik, in⸗ dem ſie ihrer Verwandten eine Heirath nach der andern vor⸗ ſchlug, allein Hinderniſſe in den Weg legte, ſo oft es mit einer derſelben Ernſt zu werden ſchien. Anfaͤnglich ſchien ſie zu wuͤnſchen, Maria moͤchte den Grafen von Leiceſter heira⸗ then, einen Edelmann, der ſich weder durch ſeine Talente noch durch ſeinen Charakter auszeichnete, den ſie ſelbſt aber, ſeiner perſoͤnlichen Schoͤnheit wegen, in dem Maße bewun⸗ derte, daß ſie erklaͤrte, ſie wuͤrde ihn zu ihrem eigenen Ge⸗ mahle erkohren haben, wenn ſie nicht das Geluͤbde gethan haͤtte, nie zu heirathen. Man wird gerne glauben, daß ſie nicht geſonnen war, die angedeutete Heirath ſtatt finden zu
laſſen, und daß ſie, falls Maria ſich bereit erklaͤrt haͤtte,
Leiceſter anzunehmen, ſchnell Mittel gefunden haben wuͤrde, die Heirath zu hintertreiben.
Dieſer Vorſchlag war jedoch der Koͤnigin Maria durch⸗ aus nicht erwuͤnſcht. Leiceſter war, wenn auch ſeine perſoͤn⸗ lichen Verdienſte weit groͤßer geweſen waͤren, von zu niedri⸗


