83 von Briefen, Komplimenten und gelegenheitlichen Geſchenken, die ihrem Range geziemten, nebſt vlelen Verſicherungen ge⸗ genfeitiger Gewogenheit, ſtatt. 3
Allein es gab eine wichtige Klaſſe von Perſonen, denen Maria's Religionsform ſo verhaßt war, daß ſie zu keiner guͤnſigen Geſinnung gegen ſie vermocht werden konnten. Dieß waren die Predigey des reformirten Glaubens, die, an Maria's Abkunft von der, ſtets feindſelig gegen die proteſtan⸗ ttſche Sache geſinnten Familie Guiſe ſich erinnernd, gegen die Koͤnigin ſelbſt auf der Kanzel mit einer unanſtaͤndigen Heftigkeit, die ſich für dieſen Ort nicht ſchickte, ſchrien, und
nie anders von ihr ſprachen, als von einer in dem Wider⸗
ſtande gegen die Stimme der wahren chriſtlichen Belehrung verhaͤrteten Perſon. John Knoy ſelbſt ließ in ſeinen Predig⸗ ten ſo harte Ausdruͤcke einfließen, daß die Koͤnigin Maria ſich herabließ, ihn perſoͤnlich zur Rede zu ſtellen und ihn zu ermahnen, ſich einer mildern Sprache bei der Erfuͤllung ſei⸗ ner Pflicht zu bedienen. Obgleich jedoch die Sprache dieſer rauhen Reformatoren zu heftig, und ihre Strenge unklug war, inſofern ſie Maria's Abneigung gegen ſie und ihre Re⸗ ligionsform unndͤthigerweiſe vergroͤßerte, ſo muß man doch anerkennen, daß ihr Verdacht gegen Maria's Aufrichtigkeit
natuͤrlich, und der Wahrſcheinlichkeit nach gegrüͤndet war. Die Koͤnigin weigerte ſich beharrlich, das von dem Parla⸗
mente im Jahre 1560 angenommene religioͤſe Syſtem, oder
die Confiskation der Kirchenlaͤndereien zu genehmigen. Sie
ſehien ſtets den gegenwaͤrtigen Hußand der Dinge als eine
temporaͤre Anordnung zu betrachten, der ſie ſich zwar fuͤr den
Augenblick zu fügen bereit war, allein mit dem Vorbehalte, ſie Veraͤnderungen zu unterwerfen, ſobald ſich die Gelegeg⸗ 4 5 6.*


