82
te den Urhebern dieſes mißtoͤnigen und unzeitigen Coneerts
ihren Dank aus. Maria erlebte unmittelbar nach ihrer Ankunft eine Probe von dem religioͤſen Eifer ihrer reformir⸗
ten Unterthanen. Sie hatte einem papiſtiſchen Geiſtlichen be⸗ fohlen, in ihrer eigenen Kapelle die Meſſe zu leſen, allein
der Volksunwille erhob ſich ſo ſtark dagegen, daß ohne die Einmiſchung ihres natuͤrlichen Bruders, des Priors von St. Andreas, dem ſie dieſen Ditel verliehen hatte, der Prieſter an ſeinem eigenen Altare ermordet worden waͤre.
Maria betrug ſich in dieſem Zeitpunkte ihrer Regierung
mit bewundernswuͤrdiger Klugheit. Sie entzuͤckte das gemei⸗
ne Volk durch ihre Huld und Herablaſſung und waͤhrend ſie im Rathe ſaß, gewoͤhnlich mit irgend einer weiblichen Arbeit befchaͤftigt, hatten die Staatsmaͤnner, die ſie befragte, Gele⸗ genheit, ihre Weisheit zu bewundern. Sie huͤtete ſich wohl, etwas gegen die Religion ihrer Unterthanen zu unternehmen, obſchon ſie von der ihrigen abwich; und durch den Beiſtand des Priors von St⸗Andreas, und des ſcharfſinnigen Mait⸗ kand machte ſie raſche Fortſchritte in der Zuneigung ihres Volks. Sie verlieh dem Prior die Grafſchaft Mar.
Mit aͤhulicher Klugheit unterhielt die Koͤnigin den gan⸗
zen gebraͤuchlichen Hoͤflichkeitsverkehr mit Eliſabeth und
waͤhrend ſie ſich weigerte, ihren Anſprüchen auf die engliſche
Krone, falls Eliſabeth ohne Teiteserben ſterben ſollte, zu ent⸗
ſagen, drückte ſie ihren aͤngſtlichen Wunſch aus, mit der eng⸗ liſchen Koͤnigin auf dem beſten Fuße zu leben, und ihre Be⸗ reitwilligkeit, waͤhrend des Lebens der engliſchen Koͤnigin, je⸗ dem Erbrechte, das ſie zu ihrem Nachtheile beſitzen moͤge, zu entſagen. Ekiſabeth ſchwieg, wenn ſie auch nicht befriedigt war, und es fand ein beſtaͤndiger Nerkehr ſcheinbarer Freund⸗
ſchaft zwiſchen den beiden Koͤniginnen, und ein Austauſch


