.79 Als Franz und Maria, die jetzt Koͤnig und Koͤnigin von Frankreich geworden waren, hoͤrten, daß das ſchottiſche Par⸗ kament die Religion gaͤnzlich veraͤndert, und die Formen der Nationalkirche von den katholiſchen in die proteſtantiſchen umgewandelt hatte, waren ſie ungemein erbittert; und haͤtte
der Koͤnig laͤnger gelebt, ſo iſt es hoͤchſt wahrſcheinlich, daß
ſie ihre Einwilligung in dieſe große Neuerung verweigert, und es vorgezogen haben würden, den Kries durch die Ab⸗ ſchickung eines neuen franzoͤſiſchen Heeres nach Schottland zu erneuern. Allein wenn ſie eine ſolche Maßregel beabfich⸗ tigten, ſo wurde ſie gaͤnzlich vereitelt, durch den Tod Franz IL, den Aten Dezember 1560.
Waͤhrend der Lebzeiten ihres Gemahls hatte Maria eine große Gewalt in Frankreich ausgeuͤbt, denn ſie beſaß einen graͤnzenloſen Einfluß auf ſein Gemuͤth. Nach ſeinem Dode, und der Thronbeſteigung ſeines Bruders Carl, nahmen dieſer Einfluß und dieſe Gewalt ein gaͤnzliches Ende. Es mußte fuͤr einen ſtolzen Geiſt, wie den der Marig, peinlich geweſen ſeyn, Kaͤlte und Vernaͤchlaͤſſigung an dem Orte zu erdulden, wo ſie mit Ehre und Unterthaͤtigkeit behandelt worden war. Sie entfernte ſich daher von dem franzoͤfiſchen Hofe, und be⸗ ſchloß, nach ihrem Erbreiche Schottland zuruͤckzukehren: ein an und fuͤr ſich natürlicher Entſchluß, der aber die Einlei⸗ tung zu einer langen und traurigen Reihe von Unglucksfal⸗ len wurde.


