Teil eines Werkes 
98. Band, Erzählungen eines Großvaters aus der schottischen Geschichte : 4. Theil (1828) Tales of a grandfather
Entstehung
Einzelbild herunterladen

39

Papſtes auf Unfehlbarkeit, eine gotteslaͤſterliche Annahme der Attribute der Gottheit ſey. Dieſe neuen Meinungen nannte man die Lehren der Reformatoren, und die Zahl derer, wel⸗ che ſie annahmen, wurde immer groͤßer. Die roͤmiſchkatholi⸗ ſchen Prieſter ſuchten die Lehrſaͤtze ihrer Kirche durch Beweis⸗ gruͤnde zu vertheidigen; als ſie aber dieß ſchwer fanden, ſo ſuchten ſie in den meiſten Laͤndern Europa's ſie durch Gewalt einzuſchaͤrfen; allein die Reformatoren fanden Schuttz in ver⸗ ſchiedenen Gegenden Deutſchlands. Ihre Anzahl ſchien mehr zu als abzunehmen, und eine große Revolution in der chriſt⸗ lichen Welt zu verkünden.

Heinrich VIII, Köͤnig von England, beſaß einige Gelehr⸗ ſamkeit, und hatte große Luſt, ſie in dieſem Streite zu zei⸗ gen. Da er im Anfange ſeiner Regierung der roͤmiſchen Kirche aufrichtig ergeben war, ſo ſchrieb er ein Buch zur Vertheidigung ihrer Lehre gegen Martin Luther, einen der vorzüglichſten Reformatoren. Der Papſt war ſo ſehr erfreut uͤber dieſen Beweis von Eifer, daß er dem Koͤnig den Na⸗ men: Vertheidiger des Glaubens beilegte: ein Titel, den Heinrichs Nachfolger noch fuͤhren, obſchon nicht mehr in dem Sinne, in welchem er anfaͤnglich verliehen wurde.

Nun war Heinrich, wie du wiſſen mußt, mit einer ſehr guten Prinzeſſin, mit Namen Katharina, einer Qochter des Koͤnigs von Spanien, und einer Schweſter des Kaiſers von Deutſchland verheirathet. Sie war in ihrer Jugend mit Heinrichs aͤlterem Bruder Arthur verlobt geweſen; als aber dieſer Prinz ſtarb, und Heinrich Erbe des Throns wurde, wurde Katharina mit ihm vereinigt. Sie hatten lange mit einander gelebt, und Katharina eine Tochter Maria geborer, welche die natuͤrliche muthmaßliche Erbin der engliſchen Kro⸗ ne war. Endlich aber verliebte ſich Heinrich VII. in ein