4 38 ſich der Payſt die Freiheit, die Koͤnigreiche des mit dem Bannfluche belegten Fuͤrſten irgend einem ehrſuͤchtigen Nach⸗ bar zu ſchenken. Die Herrſchaft der roͤmiſchen Kirche war gegen geringere Perſonen ſo ſtreng, als gegen Fuͤrſten. Wenn eine Laye die Bibel las, ſo wurde er eines großen Verbre⸗ chens fuͤr ſchuldig erklaͤrt, denn die Prieſter wußten wohl, daß das Leſen der heiligen Schriften den Leuten die Augen in Beziehung auf ihre uͤbermaͤßigen Anmaßungen oͤffnen wuͤrbe. Wenn ein Indioiduum eine von den Lehren der roͤmiſchen
Kirche nicht glaubte, oder ſich zu einer bekannte, die mit
denſelben unvertraͤglich war, ſo wurde es als Ketzer vor Ge⸗ vicht geſtellt, und zu der furchtbaren Strafe, lebendig ver⸗
brannt zu werden, verdammt. Dieſe Strafe wurde ohne
Barmherzigkeit, wegen der geringſten Ausdruͤcke, die ſich dem, was die Papiſten Ketzerei nannten, naͤherten, verhaͤngt. Dieſe außerordentliche und tyranniſche Gewalt uͤber das
Gewiſſen der Menſchen maßte man ſich in jenen Zeitaltern
der europaͤiſchen Geſchichte an, welche man die finſtern nennt, weil die Menſchen damals des Lichts der Kenntniſſe und Wiſ⸗
ſenſchaften heraubt waren. Allein die Entdeckung der Buch⸗ druckerkunſi ſteng im 15ten Jahrhundert an, den Geiſt der
Menſchen aufzuhellen. Die Bibel, die in den Haͤnden der 3
Geiſtlichkeit verſchloſſen geweſen war, kam in die Haͤnde des
Volks, und wurde allgemein geleſe. Auch machten weiſe und biedere Maͤnner in Deutſchland und der Schweiz es zu
einem Gegenſtande ihres Nachdenkens, die Irrthuͤmer und
Fehler des roͤmiſchen Stuhls aufzudecken. Sie bewieſen, daß die Lehre von der Verehrung der Heiligen Abgoͤtterei— die Lehre von der Sündenvergebung und dem Ablaſſe eine ſchaͤnd⸗ liche Aufmunterung zum Laſter— die Lehre vom Fegfeuer,
ein liſtiges Mittel,Geld zu erpreſſen, und der Anſpruch des


