37 nicht zur Hoͤlle ſelbſt verdammt war, auf eine kuͤrzere vder laͤngere Zeit, je nach dem Maße ſeiner Suͤnden, wandern mußte. ehe er in einen Zuſtand von Glückſeligkeit zugelaſſen wurde. Allein hierin lag der Hauptpunkt der Lehré. Die Kirche beſaß die Macht, für die Seelen, welche im Fegfeuer waren, durch Gebete Verzeihung zu erhalten, und zu bewir⸗ ken, daß die Thore diefes Ortes der Qual ihnen baͤlder geoͤff⸗ net wurden, als ſonſt geſchehen ſeyn wuͤrde. Daher hinter⸗ ließen Leute, denen ihr Gewiſſen ſagte, daß ſie einen langen Aufenthalt in dieſem Straforte verdienen, der Kirche reichli⸗ che Summen, um fuͤr ihre Seelen Gebete zu lefen. Auf glei⸗ che Weiſe ließen Kinder Meſſen, das heißt, eine beſondere bei den Katholiken gebraͤuchliche Art der Gottesverehrung, fuͤr die Seelen ihrer Eltern leſen. Wittwen thaten daſſelbe fuͤr ihre verſtorbenen Maͤnner— Maͤnner fuͤr ihre Weiber. Alle die⸗ ſe Meſſen und Gebete erhielt man bloß durch Geld, und al⸗ les dieſes Geld kam in die Haͤnde der Prieſter. Allein der „Papſt und ſeine Geiſtlichkeit trieben die Sache noch weiter; ſie verkauften nicht nur die Verzeihung des Himmels denen⸗
welche Suͤnden begangen hatten, ſondern ſie bewilligten ihnen auch(ſtets fuͤr Geld) die Fretheit, die Geſetze Gottes und der Kirche zu verletzen. Dieſe letztern Bewilligungen nannte man
Ablaß, weil die, welche ſie kauften, das Vorrecht hatten, Suͤnden und Laſter zu begehen, ohne ſich deswegen die Stra⸗ fe des Himmels zuzuziehen.
Zur Befeſtigung dieſes aberglaͤubiſchen Syſtems maßte ſich der Papſt die ausgedehnteſte Vollmacht an, die ſogar das Recht in ſich ſchloß, die Könige ihrer Throne durch ſeinen Bannfluch zu berauben, der ihre Unterthanen ihres Huldi⸗ gungseids entband, und ſie ermaͤchtigte, ſich gegen ihren Für⸗ ſten zu empoͤren, und ihn zu toͤdten. Zu andern Zeiten nahm


