33 die in der Geſchichte die Reformation genannt wird, noch vollkommener geweſen. Ich muß dir einen Begriff von der Katur dieſer Veraͤnderung geben; ſonſt kannſt du die Folgen, zu denen ſie fuͤhrte, nicht begreifen.
Nach dem Dode unſers geſegneten Erloͤſers, Jeſus Chri⸗ ſtus, wurde die Lehre, welche er predigte, nach Rom, der Hauptſtadt des großen roͤmiſchen Reichs, durch den Apoſte Petrus, wie man ſagt, verpflanzt, den die Katholiken deßwe⸗ gen den erſten Biſchof von Rom nennen. Im Laufe der Zeit maßten ſich die Biſchoͤfe von Rom, die ſich fuͤr die Nachfol⸗ ger des Apoſtels in ſeinem Amte ausgaben, eine Obergewalt uͤber alle andern in der Chriſtenheit an. Gute und wohlmei⸗ nende Perſonen erkannten, in ihrer Ehrfurcht fuͤr die Reli⸗ gion, die ſte angenommen hatten, dieſe Anſpruͤche ohne große Pruͤfung an. Als die chriſtliche Religion ſich weiter aus⸗ breitete, glaubten die Kaiſer und Koͤnige, die ſie annahmen, ihre Froͤmmigkeit dadurch an den Tag zu legen, daß ſie Wohlthaten auf die Kirche, und beſonders auf die roͤmiſchen Biſchoͤfe haͤuften, die endlich große Laͤndereien und Domainen als weltliche Fuͤrſten erhielten, waͤhrend ſie in ihrem Charak⸗ ter als Geiſtliche den Titel Paͤpſte, und die volle und aus⸗ ſchließliche Gewalt uͤber alle Geiſtlichen in der chriſtlichen Welt annahmen. Da das Volk dieſer Zeiten hoͤchſt unwiſ⸗ ſend war, waren alle noch uͤbrigen Kenntniſſe unter der Geiſt⸗ lichkeit zu ſinden, die einige Muſe zum Studiren hatte; waͤh⸗ rend die Layen, das heißt, die welche keine Geiſtlichen wa⸗ ren, faſt nichts anderes lernten, als turnieren, fechten und ſchmauſen. Nachdem die Paͤpſte zu Rom ſich zu Oberhaͤup⸗ tern der Kirche aufgeworfen hatten, fuͤhrten ſie allmaͤhtig in das, in dem Eyangelium uns üͤberlieferte einfache und ſchoͤne
W. Scoti's Werke. XCVIII. 3


