113 3 der auch Euch liebte.— Ach! er pflegte immer zu ſa⸗ gen, wenn jemand vom Rande des Grabes zurück ge⸗ bracht werden könne, ſo müſſe es unter Meiſter Dwi⸗ nings Leitung geſchehen.— Und ſein eigenes Kind iſt an dieſem glücklichen Tag zurückgebracht worden und er liegt da ſtarr und ſteif und weiß nichts von Geſund⸗ heit und Krankheit! Ach, wehe mir! wehe!— Aber nehmt den Roſenkranz und denkt an ſeine arme Seele, wenn Ihr ihn in den Händen habt. Er wird früher aus dem Fegfeuer befreit werden, wenn gute Leute für ihn beten.“
„Nehmt Euren Roſenkranz zurück, Frau— ich ver⸗ ſtehe die Gaugelei nicht— kann auch nicht zaubern,“ ſagte der Arzk, der mehr bewegt als vielleicht ſeine rohe Natur vermuthen ließ, ſich bemühte, dieß Uebel bedeutende Geſchenk auszuſchlagen. Aber ſeine letzten Worte beleidigten den Geiſtlichen, an deſſen Gegen⸗ wart er nicht gedacht hatte, als er ſie ausſprach.
„Wie, Herr Arzt?“ ſagte der Dominikaner.„Nennk Ihr das Gebet für die Todten Gaugelei? Ich weiß, daß Chaucer, der engliſche Dichter, von euch Aerzten ſagt, Euer Studium gehe nur wenig auf die Bibel. Unſere Mutter, die Kirche, iſt kürzlich eingeſchlum⸗ mert; aber jetzt ſind ihre Augen wieder geöffnet, um Fhedde von Feinden zu unterſcheiden; und ſeyd ver⸗ ichert.—
»Nun, ehrwürdiger Pater,“ ſagte Dwining,„Ihr haltet mich für gar zu ſchlimm. Ich ſagte, ich könne keine Wunder thun und wollte eben beifügen, es würde da die Kirche ſolche gewiß verrichten könne, am beſten ſeyn, dieſen Roſenkranz in Eure Hände niederzulegen, um ihn ſo anzuwenden, wie er der Seele des Verſtor⸗ benen am meiſten nützt.-«
Er ließ den Roſenkranz in die Hand des Dominika⸗
ners fallen und verließ das Trauerhaus.
„Das war ein ſeltſamer Beſuch,“ ſagte er zu ſich Walter Scott's Werke. 1548 Boͤchen. 8


