412 ſchwarz im Geſicht, den ſchnappenden, krächzenden Ton ausſtieß, der dieſer Krankheit ihren Volksnamen gibt und im Begriff ſchien, ſein kurzes Leben zu enden. Ein Domintikanermönch ſaß neben dem Bett, hielt das au⸗ dere Kind in den Armen und ſchien von Zeit zu Zeit etliche Worte geiſtlicher Tröſtung zu ſprechen oder eine Bemerkung über die Krankheit des Kindes zu machen.
Der Arzt warf auf den guten Pater nur Einen Blick voll der unſäglichen Verachkung des unterrichteten Man⸗ nes gegen den aufdringlichen Beiſtand. Seine eigne Hülfe aber war plötzlich und wirkſam: er entriß der verzweifelnden Mutter das Kind, entblößte ſeine Kehle und öffuete eine Ader, die, da ſie frei blutete, das kleine kranke Kind ſogleich erleichterte. In kurzer Zeit verſchwand jedes gefährliche Symptom und Dwining, nachdem er die Wunde verbunden hatte, legte das Kind in die Arme der halb verzweifelten Mutter.
Der Schmerz der armen Frau um den Verluſt ihres Gatten, der während der äußerſten Gefahr ihres Kindes zurückgedrängt war, kehrte nun mit aller Kraft eines geſchwellten Waldſtroms zurück, der den Damm durch⸗ brochen hat, der ſeine Wellen eine Zeit lang aufhielt.
„Ach, gelehrter Herr, Ihr ſeht die als ein armes Weib,“ ſagte ſie,„die Ihr früher in beſſern Umſtänden kanutet— Aber die Hände, welche dieſes Kind meinen Armen wieder gaben, dürfen das Haus nicht leer ver⸗ laſſen.— Edler, guter Meiſter Dwining, nehmt ſeinen Roſenkranz— die Körner ſind aus Elfenbein und Sil⸗ ber— er wollte ſeine Sachen immer ſo ſchön haben, als ein vornehmer Herr— und immer glich er einem ſolchen mehr als wir andern, aber wie iſt es damit gegangen!“ 3
Mit dieſen Worten drückte ſie in ſtummem Schmerz den Noſeütranz ihres verſtorbenen Gatten an Bruſt und Mund und gab ihn dann in Dwinings Hände. „Nehmt ihn,“ ſagte ſie,„aus Liebe zu einem Mann,


