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95⁵ Klage ab und ſey nicht Anlaß zu weiterem Blutver⸗ gießen, Bedenke, daß ich dir die Wahl vorlege, Mit⸗ leiden auszuüben oder Rache zu ſuchen, die Wahl zwi⸗ ſchen Ueberfluß und Mangel.“
„Es iſt wahr, mein König, wir ſind arm,“ antwor⸗ tete die Wittwe mit unerſchütterlicher Feſtigkeit,„aber ich und meine Kinder wollen uns lieber mit den Thieren des Feldes nähren, als vom Blutgeld meines Gatten leben. Ich verlange Kampf durch meinen Kämpen, wie Ihr gegürteter Ritter und gekrönter König ſeyd.“
„Ich wußte, daß es ſo kömmen würde!« ſagte der König ſeitwärts zu Albany,„in Schottland ſind die erſten Worte, die das Kind ſtammelt und die letzten, die ein ſterbender Graubart von ſich gibt— Kampf— Blut— Rache! Es nützt wenig, weiter zu reden. Laßt die Vertheidiger eintreten.“
Sir John Ramorny trat ins Gemach. Er war in einen langen Pelzmantel gekleidet, wie ihn vornehme Männer krugen, wenn ſie entwaffnet waren. Unter den Falten des Tuchs verborgen wurde ſein verwunde⸗ ter Arm durch eine Schärpe oder Schlinge von car⸗ moiſinrother Seide getragen und mit dem linken Arm lehnte er ſich anf einen Jüngling, der, kaum über die Knabenjahre hinaus, auf der Stirne die tiefe Spur früher Gedanken und vorzeitiger Leidenſchaft trug. Es war der geprieſene Lindſay, Graf von Crawford, der in ſeinem ſpäteren Alter durch den Beinamen des Ti⸗ gergrafen bekannt war und das große reiche Thal von Stratmore mit der unbefchränkten Macht und unbarm⸗ herzigen Grauſamkeit eines Lehnstyrannen beherrſchte. Zwei oder drei Edelleute, ſeine oder des Grafen Freunde, unterſtützen Sir John Ramorny durch ihre Gegenwart bei dieſer Gelegenheit. Die Auklage wurde wiederholt und von Seiten des Beſchuldigten rund weg durch Längnen abgewieſen und die Kläger erboten ſich ſofort, ihre Verſicherung durch Berufung auf das Gottesge⸗ richt des Sargrechts zu erweiſen.


