Teil eines Werkes 
154. Bändchen = Neue Folge, 4. Bändchen, Das schöne Mädchen von Perth : 4. Theil (1830) The fair maid of Perth
Entstehung
Einzelbild herunterladen

40 als der Geruch eines Geiers fuͤr das Aas; denn Do⸗ rothea, ſonſt ein fleißiges, treues und ſelbſt liebevolles Geſchoͤpf, hatte den ſtarken Hang, traurige Geruͤchte zu ſammeln und auszubreiten, der in den niedern Claſſen ſo oft gefunden wird. Wenig gewohnt, an⸗ gehoͤrt zu werden, lieben ſie die Aufmerkſamkeit, die

eine tragiſche Geſchichte dem Erzaͤhler ſichert und

freuen ſich vielleicht der Gleichheit, in welche das Mißgeſchick die, welche ſonſt uͤber ihnen ſtehen⸗ auf eine Zeitlang mit ihnen ſetzt. Dorothea hatte ſich nicht ſobald ein kleines Buͤndel der draußen umher⸗ fliegenden Geruͤchte zuſammengerafft, als ſie zu ihrem Meiſter, der das Vorrecht des Alters und des Feſt⸗ tags zu ungewoͤhnlich langem Schlaf benuͤtzte, ins Schlafzimmer ſprang. „Da liegt er, der gute Mann!« ſagte Dorothea, halb ſchreiend und halb im weinerlichen Tone des Mitgefuͤhls,—„da liegt er, ſein beſter Freund iſt erſchlagen und er weiß ſo wenig davon, als von dem neugebornen Kind, das Leben und Tod nicht unter⸗ ſcheiden kann.“⸗ 1 „Nun, nun,“« ſagte der Handſchuhmacher, ſich ſchnell aufrichtend,„was gibts, altes Weib, iſt meine Toch⸗ ter wohl?“. 1 2* „Altes Weib?“ ſagte Dorothea, die den Fiſch, der einmal angebiſſen hatte, ein wenig ſpielen laſſen wollte, „ich bin nicht ſo alt,« ſagte ſie, aus dem Gemache ſpringend,„daß ich da bleibe, wenn ein Mann aus dem Bette ſteigt.«—