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„Aber das Recht,“ ſagte Katharina,„das ich St. Valentin gethan, macht dieſe Buße unnoͤthig, und ich kann Sie deßwegen nicht annehmen.“
„Dieſe Handſchuhe,“ ſagte Heinrich, Katharinens Stuhle etwas naͤher ruͤckend,„haben Haͤnde gearbei⸗ tet, die Euch ſehr theuer ſind, und ſeht, ſie ſind fuͤr die Eurigen gemacht.“ Er breitete ſie auf dem Tiſche
aus, ergriff Katharinens Arm mit ſeiner kraͤftigen
Hand, und legte ihn auf die Seite, um ihr zu zei⸗ gen, wie gut ſie ihr paſſen wuͤrden.„Seht dieſen runden Arm,“ fuhr er fort,„dieſe ſchlanken Finger; denket an den, der dieſe Naͤhte mit Seide und Gold ausgeſtickt hat, und ſagt mir, ob dieſe Handſchuhe, und die Arme, denen ſie ſo gut paßten, getrennt bleiben duͤrfen, weil die armen Handſchuhe das Un⸗ gluͤck gehabt haben, einige Minuten einer ſo plumpen, verbrannten Hand, wie die meinige iſt, anvertraut geweſen zu ſeyn? 4
„Ich nehme ſie mit Vergnuͤgen an, da ſie von mei⸗ nem Vater kommen,“ ſagte Katharina,„und gewiß auch, von Euch, mein Freund'(ſie betonte dieſes Wort ſtark)„von meinem Valentin, meinem Be⸗ uͤßer. Iutnie 1
„Erlaubt mir, ſie Euch anziehen zu helfen,“ ſagte Smith, und ruͤckte noch naͤher zu ihr.„Sie ſind vielleicht Anfangs etwas enge, und Ihr koͤnnt Unter⸗ ſtuͤtzung noͤthig haben.“
„Zu ſolchen Dienſten ſeyd Ihr ſehr wohl zu ge⸗ brauchen, guter Heinrich Gow,“ verſetzte Katharina laͤchelnd, ruͤckte aber zu gleicher Zeit mit ihrem Stuhle weiter weg..
„Wahrhaftig,“ entgegnete Heinrich, den Kopf ſchuͤt⸗ telnd,„ich verſtehe beſſer, einem Ritter den Blech⸗ handſchuh, als einer Dirne einen geſtickten Handſchuh anzuziehen.“. a
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