128 bewundere, denn der tapfere Waffenſchmied hatte nicht daran gedacht, daß er ſich damit einen Vorwurf von ihr zuziehen könnte. Ehe ſie aber Zeit gewann, ihre Gedanken auszudrücken, öffnete ihr Vater halb die Thür und ſteckte den Kopf in’s Zimmer hinein.
„Heinrich,“ ſprach er,„ich muß dich in einer ange⸗ nehmen Unterhaltung ſtören und dich bitten, unverzüg⸗ lich in meine Werkſtätte zu kommen, um dort uͤber Angelegenheiten zu berathen, die für die Stadt von der größten Wichtigkeit ſind.“ 3
Heinrich beurlaubte ſich von Katharinen und verließ auf der Stelle das Zimmer. Es war vielleicht zu Auf⸗ rechthaltung des freundſchaftlichen Verhältniſſes zwi⸗ ſchen Beiden gut, daß ſie bei dieſer Wendung, die das Geſpräch nehmen zu wollen ſchien, ſchnell getrennt wur⸗ den, denn der Liebende, nach und nach ermuthigt, fing an, die Weigerung des ſchönen Mädchens, für die un⸗ erklärliche Wirkung einer Laune zu halten und auf der andern Seite ſchien es Katharinen mehr, als wolle er die erlangte Gunſt mißbrauchen, als daß ihn ſein Zart⸗ gefühl deſſelben würdig machte. 4.
In ihren Herzen aber lebte ein Gefühl gegenſeitiger Zuneigung, das, war einmal der Streit beendigt, wie⸗ der erwachen und das Mädchen die Verletzung ihres Zartgefühls, den Liebenden die Kälte, mit der ſie ſeine iüende Leidenſchaft erwiedert hatte, vergeſſen laſſen mußte.
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