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10³ thaten; allein ich erfülle dadurch einen Wunſch meines Vaters und im Grunde thue ich blos, was die Sitte des heutigen Feſtes fordert, wenn ich dieſem tapfern Manne meine Dankbarkeit bezeuge.“
Sie warf ſich daher ſchnell in ihre Kleider, ohne je⸗ doch die gewöhnliche Sorgfältigkeit im Anzuge zu be⸗ obachten, ging die Treppe hinab und öffnete die Thüre des Zimmers, in welchem, wie ſie vermuthet hatte, ihr Geliebter ſeit dem gelieferten Gefecht geblieben war. Katharina blieb an der Thüre ſtehen und war in Ver⸗ legenheit, ob ſie ihr Vorhaben ausführen ſollte; denn die Sitte erlaubte nicht nur, ſondern forderte es ſo⸗ gar, daß eine Verbindung der Art, wie ſie am St. Va⸗ lentinstage geſchloſſen zu werden pflegten, mit einem Kuſſe eingeweiht wurde. Man betrachtetete es als be⸗ ſonders günſtige Vorbedeutung, wenn Eines von Beiden das Andere eingeſchlafen fand, und durch jene Ceremo⸗ nie aufweckte.
Eine ſchönere Gelegenheit, dieſe Verbindung zu kuü⸗ pfen, konnte es nicht geben, als die, welche ſich Ka⸗ tharinen hier darbot. Nach langem Sinnen war der tapfere Waffenſchmied endlich auf dem Lehnſtuhle ein⸗ geſchlummert. Seine Züge hatten in dieſem Zuſtande der Ruhe ein feſteres, männlicheres Ausſehen, als Ka⸗ tharina für möglich gehalten hatte, denn bis jetzt hatte ſie in ihnen immer nur die Furcht, ihr zu mißfallen und Schüchternheit ausgeprägt geſehen und ſich daran duvuhnt⸗ einen nicht ſehr geiſtreichen Ausdruck darin zu finden.—
„Er ſieht ſehr ernſt aus,“ dachte ſie;„wenn er böſe darüber würde Und wenn er dann aufwacht.... wir ſind allein.... wenn ich Dorotheen riefe.... oder mei⸗ nen Vater weckte.— Doch nein! Es iſt einmal Sitte, ein Zeichen geſchwiſterlicher Liebe, das der Ehre eines Mädchens keinen Eintrag thut. Ich will nicht glauben, daß Heinrich die Sache mißverſtehen könnte, und nicht


