Teil eines Werkes 
151. Bändchen = Neue Folge, 1. Bändchen, Das schöne Mädchen von Perth : 1. Theil (1830) The fair maid of Perth
Entstehung
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das Anſehen des Ritterweſens hatten. Wenigſtens war er überzeugt, daß ſeine Liebe zu der ſchönen Katharina eine Zartheit hatte, wie ſie dem niedern Knappen ge⸗ ziemt hätte, der, wenn man der Ballade glauben will, der Liebe der Tochter des Königs von Ungarn gewür⸗ digt wurde. Seine Gefühle für ſie waren eben ſo ſchwär⸗ meriſch, als wenn ſie einen wahren Engel zum Gegen⸗ ſtande gehabt hätten. So war der alte Simon und alle, die ihn beobachteten, der Meinung, ſeine Lei⸗ denſchaft ſey zu erhabener Art, als daß er bei einem Mädchen ſein Glück machen könnte, das aus demſelben Stoffe gebildet wäre, wie andere Sterbliche. Doch irr⸗ ten ſie ſich. Bei all ihrer Zurückhaltung und Beſchei⸗ denheit beſaß Katharina ein Herz, welches die Be⸗ ſchaffenheit und die Tiefe der Leidenſchaft des Waffen⸗ ſchmieds zu begreifen und zu fühlen im Stande war und mochte ſie ſie nun erwiedern, oder nicht, ſo war ſie doch insgeheim auf die Anhänglichkeit des gefürch⸗ teten Heinrich Gow oder Smith eben ſo ſtolz, als es die Heldin eines Romans auf einen gezähmten Löwen ſeyn könnte, der ihr folgte, um ſie zu ſchützen und zu vertheidigen. Mit den Empfindungen des aufrichtig⸗ ſten Dankes erinnerte ſie ſich, als ſie mit Tagesanbruch erwachte, der während dieſer ſtürmiſchen Nacht von Heinrich geleiſteten Dienſte und der erſte Gedanke, der ſie beſchäftigte, war, wie ſie ihm ihre Gefühle zu er⸗ kennen geben ſollte. 4

Sie ſtand ſchnell auf und ſagte über ihr Vorhaben leicht erröthend zu ſich ſelbſt:Ich habe mich kalt ge⸗ gen ihn bewieſen und bin vielleicht ungerecht gewe⸗ ſen, aber undankbar will ich nicht gegen ihn ſeyn, wenn ich auch ſeine Wünſche nicht erfüllen kann. Ich will

nicht warten, bis mein Vater mich nöthiget, ihn als

meinen Valentin für dieſes Jahr zu empfangen, ſondern ihn aufſuchen und ſelbſt dazu wählen. Zwar habe ich ſchonandere Mädchen aetadelt, wenn ſie das Gleiche