141
gleich kaum wußte, was er ſagen ſollte, einige unzuſam⸗ menhängende Reden hervorzubringen 1 „Habe Erbarmen, Himmel, hab' Erbarmen!“ waren die erſten Worte, die ſie ſagte:„laß ihn nicht zum Raͤcher meiner Verbrechen werden! Ja, junger Mann,“ ſagte ſie, nach einer Pauſe:„Du haſt etwas ausgeſprochen, was ich ſelbſt nicht zu ſagen wagte, Du haſt mir die Ueberzeugung von dem aufgedrungen, was, wenn es die Wahrheit iſt, ich nicht glauben und noch laͤnger leben darf!“. Vergebens ſuchte Mordaunt durch die Verſicherung, daß er nicht wiſſe, wodurch er ſie beleidigt oder gekränkt habe, und wie leid es ihm ſey, ohne Abſicht eines oder das andere gethan zu haben, ihren Gedanken eine andere Rich⸗ inu zu geben. Sie fuhr, mit zitternder Stimme heftig ort: „Ja! Du haſt den dunkeln Verdacht aufgeregt, der das Bewußtſeyn meiner Macht vergiftet— das Einzige, was mir zum Erſatz fuͤr Unſchuld und Seelenfrieden wird! Deine Stimme vereint ſich mit der des Daͤmons, welcher ſelbſt in dem Augenblicke, wo mich die Elemente als ihre Gebieterin anerkennen, mir zuflüſtert: Norna, dieß iſt nur Däuſchung — Deine Macht beruht nur auf dem Wahnglauben der Unwiſſenden, der durch tauſend kleine Künſte von Dir ge⸗ nährt wird. Das iſt es, was Brenda ſagt, das iſt es, was Du ſagen wollteſt, und wie falſch, wie ſchändlich falſch es auch iſt, ſo giebt es doch empöreriſche Gedanken in dieſem meinen aufgeregten Gehirn(hier beruͤhrte ſie ihre Stirn mit dem Zeigefinger,) welche, wie ein Aufruhr in einem mit Krieg uͤberzogenen Lande, aufſtehen und mit gegen ihren bedraͤngten Beherrſcher die Waffen ergreifen. Habe Erbarmen, mein Sohn!“ fuhr ſie mit flehendem Tone fort, habe Erbarmen! die Herrſchaft, deren Deine Wor⸗ te mich berauben wollen, iſt kein beneidenswerthes Loos. Wenige wuͤrden darnach ſtreben, wie ich, uͤber murrende Geiſter, heulende Winde und wuͤthende Gewaͤſſer zu ge⸗ bieten. Mein Thron iſt eine Wolke, mein Sceyter eine Lufterſcheinung, mein Reich nur mit Geſchoͤpfen der Ein⸗ bildungskraft beyoͤlkert, aber ich muß entweder aufhoͤren
*


