Teil eines Werkes 
113. Band, Der Pirat : 4. Theil (1828) The pirate
Entstehung
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verhängnißvollen Zauber um ihren Hals geſchlungen, auf welchem Euer Beider Gluͤck beruht. Die Arbeiten meines Lebens haben, ſeit Jahren, dieſe Richtung gehabt. So muß es ſeyn, und nicht anders: Minna muß die Braut meines Sohnes werden! 1

Aber iſt Euch Brenda nicht eben ſo nah, eben ſo theu⸗ er? erwiederte Mordaunt.

Eben ſo nah verwandt durch das Blut, aber nicht zur Hälfte ſo nahe, ſo theuer, durch Neigung. Minna's mildes, doch hohes, betrachtendes Gemuth, macht ſie zu ei⸗ ner paſſenden Gefäͤhrten für Jemanden, deſſen Wege, wie die meinigen, über die gewöhnlichen Pfade dieſer Welt hin⸗ ausgehen. Brenda iſt ein Geſchöyf aus dem gemeinen, ge⸗ wöhnlichen Leben, eine eitle Lacherin und Spötterin, wel⸗ che gern die Kunſt auf dieſelbe Stufe wie die Unwiſſenheit ſetzen, und Macht zu Schwäche herabwurdigen möchte, in⸗ dem ſie Nichts glaubt und alles lächerlich macht, was über die Faſſungskraft ihres ſeichten Verſtandes hinausgeht.

Allerdings, ſagte Mordaunt: iſt ſie weder aberglaͤn⸗ biſch noch ſchwärmeriſch, und ich habe ſie deswegen nur um ſo lieber; bedenkt uͤberdieß, Mutter, daß ſie meine Liebe erwiedert, und daß Minna, wenn ſie Jemanden liebt, ihre Liebe dem Fremden Cleveland geſchenkt hat.

Sie thut es nicht ſie darf es nicht, antwortete

Norna,noch darf er deswegen ihren Vater angehen. Ich erklärte ihm, als er zuerſt nach Burg⸗Weſtra kam, daß ich ſie Dir beſtimmte. und dieſer uͤberellten Erklärung, ſagte Mordaunt: danke ich dieſes Mannes unverſöhnliche Feindſchaft mei⸗ ne Wunde und beinahe den Verluſt meines Lebens. Seht, Mutter, wohin Euere geheimen Ränke uns ſchon gebracht haben, und laßt ab von ihnen.

Es war, als ob dieſer Vorwurf Norng mit des Blitzes Schnelle und Kraft getroffen haͤtte, denn ſie ſchlug ſich mit

der Hand vor die Stirn, und ſchien von ihrem Sitze her⸗ abſinken zu wollen. Mordaunt, auf das aͤußerſte erſchro⸗

cken, eilte, ſie in ſeine Arme aufzufangen, und ſuchte, ob er