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zu leben, oder noch laͤnger das maͤchtigſte, wie das elende⸗
ſte der Geſchoͤpfe bleiben?“
Sprich nicht dieſe traurigen Worte, meine theuere
und ungluͤckliche Wohlthaͤterin, ſagte Mordaunt tief er⸗
griffen: ich will von Deiner Macht glauben, was Du
willſt. Aber ſieh, Deiner ſelbſt willen, die Sache aus ei⸗
nem andern Geſichtspunkte an. Wende Deine Gedanken
von ſolchen aufregenden, und geheimnißvollen Studien—
von ſo wilden Gegenſtaͤnden der Betrachtung, auf einen andern beſſern Weg. Das Lehen wird ſeinen Reiz wieder kär, Dich erhalten und die Religion Dir ihren Troſt ge⸗ waͤhren.
Sie hoͤrte ihm mit ziemlicher Faſſung zu, als ob ſie ſeinen Rath erwaͤge, und ſich danach richten wolle, ſchuͤt⸗
telte aber, als er geendet hatte, den Kopf, und rief
aus:
Das iſt nicht moͤglich. Ich muß die Gefuͤrchtete— die Geheimnißvolle, die Reimkennar, die Beherrſcherin der Elemente bleiben, oder aufhoͤren zu ſeyn. Ich habe
keine Wahl, keinen Mittelwec. Meine Stelle muß dort
oben auf jenem hohen Vorgebirge ſeyn, wo außer dem mefnigen nie der Fuß eines Lebenden ſtand, oder ich muß auf dem Grunde des unermeßlichen Meeres ruhn und ſei⸗
ne weißen Wellen uͤber meinen unnutzen Leib dahinbrau⸗
ſen. Die Vatermoͤrderin ſoll nimmer auch als Betruͤgerin kund werden.
Die Vatermoͤrderin! wiederholte Mordaunt, und trat vor Schrecken zuruͤck.
„Ja! mein Sohn,“ antwortete Norna mit ernſter
Faſſung, welche noch furchtbarer als ihre vorige Heftigkeit erſchien:„in dieſen verhaͤngnißvollen Mauern fand mein Vater durch mich ſeinen Tod. In jenem Gemach fand man ihn, einen bleifarbigen, entſeelten Leichnam. Huͤte Dü vor kindlichetn Ungehorſam, denn dies ſind ſeine Fruͤchte.“
Mit dieſen Worten ſtand ſie auf, und verließ das
Zimmer, in welchem Mordaunt allein zuruͤckhlieb, und jetzt mit Muße uͤber die ungewoͤhnliche Mittheilung nach⸗
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