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zu wollen, daß Dir jemand helfen ſollte, eine ſo unbedeu⸗
tende Schramme zu verbenden— hier, wo ich ſtehe, kann
man ſie kaum ſehen.“
„Die ſchmerzlichſten Wunden ſind die,“ erwiederte
I b Minna,„die man von außen nicht gewahr wird— ſiehſt
Du irgend etwas?“
„Nun ja,“ antwortete Brenda, um ihrer Schweſter zu
Gefallen zu leben:„ich ſehe eine ganz unbedeutende
Schramme; ja jetzt, wo Du den Strumpf anziehſt, kaun
ich nichts mehr ſehen.“
„Du ſiehſt auch wirklich nichts,“ antwortete Minna,
etwas willd hin:„aber die Zeit wird bald kommen, wo man 4 alles— ja, alles, ſehen und erfahren kann.“
Mit dieſen Worten eilte ſie, ſich vollends anzuziehen, und ging dann voran zum Fruͤhſtuͤck, wo ſie ihren Platz un⸗ ter den Gaͤſten einnahm, allein ſie ſah ſo bleich und geſpen⸗ ſterartig aus, ihre Art und Redeweiſe, waren ſo veraͤndert, daß die ganze Geſellſchaft dadurch aufmerkſam, und ihr Vater, Magnus Troil, in die groͤßte Unruhe verſetzt wurde. Die Vermuthungen der Gaͤſte uͤber eine Unpaͤßlichkeit,
3 welche eher geiſtig als koͤrperlich zu ſeyn ſchien, waren viele und mancherlei. Einige meinten, das Maͤdchen ſei mit dem boͤſen Aupe angeſehen worden, und munkelten etwas pon Norna von Fitful⸗Head; Andere ſprachen von der Ab⸗ reife des Capitain Cleveland, und murmelten dabei, es ſev doch eine Schande für ein junges Frauenzimmer ſo an einem Landläufer zu hangen, von dem niemand etwas wüßte, und dieſer veraͤchtliche Beiname ward dem Capi⸗ tain ganz beſonders von Jungfrau Barbara Yellowley ge⸗ geden, waͤhrend ſie um ihren alten knoͤchernen Hals eben den ſchoͤnen Ueberwurf(wie ſie es nannt?) ſchlang, mit
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