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Sie ſah herob und bemerkte mit einem Erſtaunen, das an Todesangſt graͤnzte, daß ihre beiden Fuͤße, beſonders aber einer derſelben, dunkelroth gefaͤrbt war, als ob ge⸗ trocknetes Blut daran klebe.
Ohne Brenda zu antworten, eilte ſie an's Fenſter, und warf einen verzweiflungsvollen Blick auf das Grab hinab, denn von dort mußte ſie jene verhäͤngnißvollen Flecken mit hinauf gebracht haben. Allein der Regen, der dort dreifach ſtark, ſowohl vom Himmel, als von der Dachrinne, herab⸗ geſtroͤmt war, hatte den verraͤtheriſchen Zeugen hinwegge⸗ waſchen, wenn ja ein ſolcher vorhanden geweſen war. Al⸗ les war friſch und rein, und die Grashalme, mit Regen⸗ tropfen belaſtet und unter ihnen ſich beugend, blitzten wie Diamanten in der hellen Morgenſonne.
Waͤhrend Minna auf das flimmernde Gruͤn hinab⸗ blickte, die großen dunkeln Augen feſt darauf geheftet und durch den gewaltigen Schrecken zu Kreiſen erweitert, hing Brenda ſich an ſie, und drang in ſie, ihr zu ſagen, ob und wie ſie ſich beſchaͤdigt habe.
„Es muß mich ein Stuͤck Glas durch den Schuh ge⸗ ſchnitten haben,“ ſagte Minna, welche die Nothwendigkeit einſah, irgend einen Vorwand anzugeben:„ich hatte es gar nicht gefuͤhlt.“ 3 3
„und ſieh einmal, wie ſtark es geblutet hat,“ ſagte ihre Schweſter.„Liebſte Minna,“ fuͤgte ſie hinzu, indem ſie ein befeuchtetes Handtuch herbeikrachte:„laß mich das Blut abwiſchen— Du kannſt Dich vielleicht mehr beſchä⸗ digt haben, als Du denkſt.“
Indem ſie ſich aber naͤherte, wies Minna, welche kei⸗ nen andern Weg ſah, die Entdeckung zu verhindern, daß das Blut, mit welchem ſie beſleckt war, nicht aus ihren


