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und rief ihren Kindern zu, die Haͤnde zu erheben, und ſich mit ihr zum Gebete fuͤr die Sicherheit des theuren Gatten und Vaters zu vereinigen, der jetzt gerade in der Gewalt der aufgeregten Elemente war. Um das Haus in Burgh⸗ Weſtra her heulte es in den Schornſteinen, und Fenſter klirrten. Die Streben und Stuͤtzen in dem hoͤhern Theile des Gebaͤudes, groͤßtentheils aus Treibholz gezimmert, aͤchzten und bebten, als ob ſie gefuͤrchtet haͤtten, von dem Sturme wieder aus einander geriſſen zu werden. Mag⸗ nus Troil's Toͤchter ſchliefen jedoch ſo ſanft und ſuͤß fort, als ob Chantry' s Meiſſel ſie aus Marmor gebildet haͤtte. Der Windſtoß war inzwiſchen voruͤbergegangen, und die Sonne, welche die Wolken zerſtreute, die ſich nach der an⸗ dern Seite hinzogen, ſchien hell in die Fenſter. Minna fuhr zuerſt aus dem Schlafe empor, in welchen koͤrperliche Anſtrengung und geiſtige Erſchoͤpfung ſie verſenkt hatten, ſtützte ſich auf ihren Arm, und begann nun Ereigniſſe ſich zuruͤckzurufen, welche, nach dieſem Zwiſchenraume tiefer Ruhe, ihr beinah wie unhaltbare Geſichte der Nacht er⸗ ſchienen, und ſie war faſt ungewiß, ob nicht die Schrecken, deren ſie ſich von dem Augenblicke an erinnerte, wo ſie aus dem Bett geſprungen war, die Gebilde eines Traumes ge⸗ weſen waͤren, welchen einige aͤußere Laute vielleicht in ih⸗ rer Seele erregt.
„Ich will ſogleich Claudius Halcro aufſuchen gehen,“ ſagte ſie:„er wird etwas von dieſen ſonderbaren Toͤnen wiſſen, da er um dieſe Zeit auf den Fuͤßen war.“
Mit dieſen Worten ſprang ſie aus dem Bette, hatte aber kaum einen Augenblick aufrecht dageſtanden, als ihre Schweſter ausrief:„Gerechter Himmel! Minna, was haſt Du an Deinem Fuß, an Deinem Knoͤchel?“


