124
ge, daß es auf einmal Leben und Bewegung erhielt, und mich an ſeine kalte, feuchte Bruſt druͤckte— und nun biſt Du es, Minna, die Du in der That ſo kalt biſt.— Dir iſt nicht wohl, meine theuerſte Minna! Um Gotteswillen,
laß mich aufſtehen und Euphanie Fea rufen:— was fehlt Dir? Iſt Norna wieder hier geweſen?“
„Rufe Niemanden,“ ſagte Minna, indem ſie ſie zu⸗ ruͤckhielt:„mir ſehlt nichts, wogegen irgend Jemand ein Mittel wiſſen koͤnnte; es ſind nur Beſorgniſſe eines Un⸗ glücks, aͤrger, als Norna es je verkuͤndigen konnte. Aber, Gott iſt uͤber Allem, meine theure Brenda, laß uns alſo zu ihm beten, damit Er, der allein es vermag, das Boͤſe zum Guten wenden moͤge“
So wiederholten ſie denn gemeinſchaftlich ihr gewoͤhn⸗ liches Gebet um Staͤrke und Schutz von oben, und ſchickten ſich wiederum zum Schlafe an, ohne etwas weiter, als „Gott ſegne Dich“ zu einander zu ſagen, als ihre Andacht verrichtet war, indem ſie ſo dem Himmel gewiſſenhaft ihre letzten Worte im Wachen weihten, wenn auch menſchliche Gebrechlichkeit ſie verhinderte, dieß mit ihren Gedanken zu thun. Brenda ſchlief zuerſt ein, und auch Minna war endlich, nach einem ſtandhaften Kampee mit den dunkeln und boͤſen Ahnungen, welche ſich wiederum ihrer Einbil⸗ dungskraft aufzudraͤngen begannen, ſo gluͤcklich, dem Schlum⸗ mer in die Arme zu ſinken.
Der Sturm, den Halcro erwartet hatte, trat wirklich gegen Tagesanbruch ein— ein heftiger mit Regen gemiſch⸗ ter Windſtoß, wie man ihn, ſelbſt waͤhrend des ſchoͤnſten Wetters, unter dieſen Breiten hat. Von dem Pfeifen des Windes, und dem Geraͤuſche des Regens auf den Schin⸗ deldaͤchern der Fiſcherhuͤtten, erwachte manche arme Frau,


