27 welchem oben die Rede war. Die bevorſtehende Reiſe nach Kirkwall, und zwar zur Zeit des Marktes, wo Leute aus allen Sraͤnden von den Inſeln, entweder Geſchaͤfte haiber, oder zum Vergnuͤgen, dahin kommen, mußte eine bedeut⸗ ſame Begebenheit in ihrem gewoͤhnlich ſo einfachen und einfoͤrmigen Leben werden, und noch vor wenigen Monaten wuͤrden Minna und Brenda die halbe Nacht kein Auge zu⸗ gethan, ſondern mit einander von dem geſprochen haben, was ſich bei einem ſo wichtigen Anlaſſe wohl alles ereianen koͤnne. Jetzt aber wurde die Sache nur ſo obenhin erwaͤhnt
und gleich wieder uͤbergangen, als ob ſie leicht Zwieſpalt zwiſchen ihnen hervorbringen. oder eine freiere Eroͤffnung
ihrer verſchiedenen Anſichten zur Folge haben koͤnnte, als Jede von ihnen der Andern zu machen Willens war.
Indeß war doch ihre natuͤrliche Offenheit und Gutmuͤ⸗ thigkeit ſo groß, daß jede Schweſter ſich ſelbſt die Schuld der Entfremdung, die unter ihnen ſtatt zu ſinden ſchien, beimaß; und als, nachdem ſie ihre Andacht verrichtet und ihr gemeinſchaftliches Lager beſtiegen hatten, ſie einander in die Arme ſchloſſen, und ſich, mit einem ſchweſterlichen Kuſſe, gute Nacht wuͤnſchten, ſchien Jede die andere um Verzeihung zu bitten und ihr Verzeihung zu gewähren, obgleich Keine der Andern irgend ein beleidigendes Wort geſagt hatte, und Beide ſanken bald in den leichten und doch tiefen Schlummer, welcher nur auf die Augen der Ju⸗ gend und der Unſchuld herabſinkt.
In der Nacht, deren die Erzaͤhlung erwaͤhnt, hatten beide Schweſtern Traͤume, welche, wenn ſie gleich durch die Denkweiſe und Gewohnheiten der Schlaͤferlanen eine ver⸗ ſchiedene Faͤrbung erhielten, doch eine ſonderbare Aehnlich⸗ keit mit einander hatten.


