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und Victor, brennend vor Begierde, jenen Eifer zu zeigen, welchen man nicht auerkennen wollte, machte unglaubliche Anſtrengungen von vornen. Allein die Angreifenden fanden gleich hartnaͤckigen Widerſtand, und der Kampf wurde einer der blutigſten und ſchoͤn⸗ ſten in dem ganzen Kriege. Es war à Uhr Nach⸗ mittags, und die Franzoſen vermochten noch nicht, die Ruſſen auf irgend einem Punkte zuruͤckzutreiben, als letztere von Bluͤcher die Ordre bekamen, ſich von dem beſtrittenen Terrain auf die preußiſche Armee in die glaͤnzende Poſition vor Laon zuruͤckzuziehen, da der Marſchall dieſe fuͤr eine Schlacht geeigne⸗ ter gefunden. Man erlitt keinen Verluſt an Kano⸗ nen oder Gefangenen. Die Ruſſen zogen ſich, trotz einem allgemeinen Angriff der franzoͤſiſchen Reiterei, wie in Parade zuruͤck. Da die Armeen, in Betracht der Abweſenheit Winzingerode's mit dem Detaſchement Reiterei, und Langeron's mit der Beſatzung von Soiß⸗ ſons, beinahe einander gleich waren, ſo war es um ſo bedenklicher, datz die Schlacht unentſchieden blieb. Der Verluſt an Todten und Verwundeten war auf beiden Seiten gleich; die Franzoſen hatten nur den Anſchein von Sieg, indem ſie das Schlachtfeld be⸗ haupteten.
Napoleon folgte den Ruſſen auf ihrem Ruͤckzuge bis zu einem Wirthshauſe, zwiſchen Craonne und Laon, der Schutzengel genannt, wo er uͤbernach⸗ tete. Nie bedurfte er auch mehr des Beiſtandes eines Schutzengels, und ſein eigener ſchien von ihm gewi⸗ chen zu ſeyn. Hier traf ihn Rumigny mit dem Schreiben von Caulaincourt, worin er um endliche Inſtruktionen vom Kaiſer bat, und nur die zweideutige Antwort erhielt:„wenn er ſich der Baſtonade unter⸗ werfen muͤßte, ſo ſolle es nur durch Gewalt geſchehen!“ In dieſer Schenke faßte er auch den Plan, am naͤch⸗


