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zu ſehr bezaubert, als daß ſie die Inſtitutionen frem⸗ der Staaten ihrer Aufmerkſamkeit haͤtten wuͤrdigen koͤnnen. Wenn auch die verwickelte Staatsverfaſſung Englands, ihres gewaltigen Nebenbuhlers ihre Blicke auf ſich zog, ſo verweilten ſie doch nicht bei dieſem ihnen unbegreiflichen Gegenſtande, und bedauerten wohl gar einen Koͤnig, der das Ungluͤck hatte, an der Spitze einer ſo verworrenen und beſchraͤnkten Regierung zu ſtehen.*) Zu welchen politiſchen Irr⸗ thuͤmern aber auch die Franzoſen durch das Ueber⸗ maaß ihrer Loyalitaͤt gefuͤhrt worden ſeyn moͤgen, ſo wuͤrde es doch ungerecht ſeyn, ſie der Niedertraͤch⸗ tigkeit oder des Knechtſinns zu beſchuldigen. Eine knechtiſche Geſinnung hat etwas Schaͤndliches, und Schande iſt fuͤr einen Franzmann das groͤßte aller Uebel. Burke hielt ſie mit mehr Recht fuͤr ein Volk, das zu ſeinem eigenen Nachtheil, durch uͤberſpannte und romantiſche Ideen von Ehre und Treue irre ge⸗ fuͤhrt, und durch einen gewiſſen Gemeingeiſt getrie⸗ ben einſt in der Perſon ſeines Monarchen das Gluͤck und die Hoheit des Vaterlandes verehrte.
Waͤhrend der Regierung Ludwigs XIV. trug Al⸗
les dazu bei, die Nationalehre an die Kriege und
Unternehmungen des Koͤnigs zu knuͤpfen. In den erſten Jahren ſeiner Regierung gelang ihm Al⸗
*) In einem alten franzöſiſchen Sprichworte heißt es: „Le Roi d'Angleterre Est le Roi d'Enfer.“


