25
tionalgluͤckſeligkeit zu gruͤnden verſuchten, von wel⸗ chem jedem Einzelnen ſein Antheil zukaͤme. Wenn der Monarch auf der Jagd oder auf dem Carouſſel ſeine Gewandtheit oder ſeine Grazie zu zeigen liebte, ſo konnten ſich die Zuſchauer an beiden ergoͤtzen. Wenn Ludwig XIV. den Louver und die herrlichen Saͤulen zu Verſailles auf ſein Geheiß mit Vergnuͤ⸗ gen aufſteigen ſah, ſo bewunderte ſein Unterthan den vollendeten Bau, und ſein Genuß dabei war vielleicht nicht geringer, als der des Gruͤnders. In einem vollen Schauſpielhauſe achten die Zuſchauer, von der Schoͤnheit der Darſtellung angezogen, wenig auf die Unbequemlichkeiten, die aus dem Gedraͤnge und der Hitze fuͤr ſie entſtehen moͤgen. In einem ſolchen Zu⸗ ſtande nun muß man ſich die Franzofen vorſtellen; nicht nur ihre politiſchen Anſichten, ſondern auch ihre wirklichen Gefuͤhle in den erſten Zeiten des acht⸗ zehnten Jahrhunderts ſind in dem folgenden fuͤr ih⸗ ren Nationalpallaſt gewaͤhlten Motto auf den kuͤrze⸗ ſten Ausdruck gebracht:—„Es giebt auf Erden nur Eine franzoͤſiſche Nation— nur Ein Paris, nur Ei⸗ nen Koͤnig Ludwig!“
Dieſe hohe Meinung ven ſich ſelbſt und von ih⸗ rem Lande konnten die Franzoſen nicht ſo leicht wie⸗ der aufgeben, weil ſie von der Kritik des Auslandes und von dem behaglicheren Leben in freieren Staa⸗ ten keine Kenntnis nahmen. Die Unterthanen Lud⸗ wigs XIV. waren von ihren Staatseinrichtungen viel


