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duum, ſondern der Repraͤſentant der geſammten Ehre des Koͤnigreichs. Dieſe allerdings uͤberſpannte, hoͤchſt ritterliche Anſicht hatte doch ein Element von Edelmuth, von Patriotismus und Selbſtverlaͤugnung. Daſſelbe Gefuͤhl ward nach allen Wechſeln der Re⸗ volution durch die erſtaunlichen Succeſſe jenes Man⸗ nes wieder geweckt, von dem in den folgenden Baͤn⸗ den die Rede ſeyn wird, und der durch faſt unglaub⸗ liche Thaten in manchen Faͤllen fuͤr ſeine Perſon eben die Begeiſterung erregt hat, mit welcher Frankreich ſeinen alten Koͤnigsſtamm verehrte.
Die Glorie, mit der dieſe Vorliebe des Volkes den Koͤnig umgab, verklaͤrte auch den Adel. Sah man in dem Monarchen den Hauptſchmuck des Lan⸗ des, ſo waren die Edelleute die kleineren Juwelen, die den Glanz der Krone verſchoͤnerten und erhoͤh⸗ ten. War der Koͤnig der oberſte Feldherr des Staa⸗ tes, ſo bildeten die Edelleute ſein Gefolge, und waren die Verkuͤnder ſeines Willens, die Vollſtrecker ſeiner Befehle, und als ſolche verpflichtet, die Ehre und den Ruhm des gemeinſchaftlichen Vaterlandes nach Kraͤften zu befoͤrdern. In der Bluͤthezeit die⸗ ſer Meinung konnten die beſondern Vorrechte des Adels eben ſo wenig angefochten werden, als die faſt unumſchraͤnkte Gewalt des Monarchen. Jeglicher ſtand auf der Stufe, auf die ihn die Geburt geſtellt hatte. Und wie haͤtte ein Mann aus dem Volke ſich daruͤber graͤmen moͤgen, daß er keinen Antheil


