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Staatsbeduͤrfniſſe und das allgemeine Beſte rechtfer⸗ tigen oder beſchoͤnigen laͤßt, weil es kein Recht gibt, im hoͤchſten Nothfall unrecht zu thun, und der Staat durch Verletzung von Treu und Glauben unmoglich gewinnen kann. Joſeph iſt auch der erſte katholiſche Fuͤrſt, der die Schranken der Ehrfurcht, die der ka⸗ tholiſche Glaube um die Perſon des Pabſtes gezo⸗ gen, durchbrochen hat. Die fruchtloſe und demuͤthi⸗ gende Reiſe des heiligen Vaters nach Wien war wenigſtens der Schatten eines Vorwandes fuͤr Na⸗ poleon in ſeinem Benehmen gegen Pius VII. Durch eine andere Neuerung, die ſich noch weni⸗ ger rechtfertigen laͤßt, wurden einige der ſchoͤnſten Provinzen der oͤſterreichiſchen Monarchie, die von den kluͤgſten Fuͤrſten des oͤſterreichiſchen Stammes ſtets auf das glimpflichſte behandelt worden waren, in eine gefaͤhrliche Lage gebracht: durch die Schlei⸗ fung der Feſtungen an der Graͤnze Flanderns waren die oͤſterreichiſchen Niederlande wehrlos gemacht und dem erſten Feinde preisgegeben. Die Liebe zum Fuͤrſten, die treue Anhaͤnglichkeit an ſeine Regierung iſt allerdings ein Element der Landesvertheidigung, und wie Wall und Graben eine Schutzwehr in den Tagen der Gefahr. Man iſt aber verſucht, zu glau⸗ ben, der Kaiſer habe auch dieſe Schutzwehr nieder⸗ reißen wollen. Jedes Blatt in der Geſchichte der Herzoge von Burgund bezeugt die Freiheitsliebe der Niederländer und die Eiferſucht, mit der ſie von je⸗


