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gar bald, daß dieſe Drohungen nicht in den Wind gemacht wurden. Die Unterdruͤckung unehrerbietiger Zeitungsblaͤtter war oft mit Verbannung oder Ein⸗ kerkerung der Herausgeber verbunden. Dieſelbe Maß⸗ regel ward auch gegen Schriftſteller, Buchhaͤndler und Publiziſten ergriffen, wenn der Argwohn Buonaparte's einen Grad von Mißfallen erreichte.
Niemand wird ſich wundern, wenn eine Will⸗ kuͤhrregierung ſich geneigt findet, eine durchgaͤngige Leitung der Tagsblaͤtter und anderer Zweige der Literatur anzumaßen, die in die Politik einſchlagen; allein Buonaparte's Politik ging noch weiter und ver⸗ lanate oͤfters von Schriftſtellern, welche uͤber allgemeine Gegenſtaͤnde ſchrieben, eine Anerkennung ihrer Auto⸗ ritaͤt darin auszuſprechen. Die alten Chriſten ſtanden an, das Theater zu beſuchen, weil es nothwendig war, bevor man die Schoͤnheiten der Buͤhne genoß, einige Koͤrner Weihrauch der falſchen Gottheit zu opfern, die man fuͤr die Schuzpatronin des Ortes anſah. Auf gleiche Weiſe ſahen ſich oft viele frei⸗ ſinnige Franzoſen genoͤthigt, Schriften nicht dem Publikum zu uͤbergeben, die mit Politik durchaus nichts zu ſchaffen hatten, weil ſie nicht vor daſſelbe gelangen konnten, ohne in die Anerkennung des Rechtes eines Individuums einzuſtimmen, das die hoͤchſte Gewalt an ſich geriſſen und die Freiheit der Nation vernichtet hatte. Die Gruͤnde, warum Frau von Staël einer ſo langen Verfolgung von Seiten


