104 3 an ſie, und gelangte immer mehr zu der ſichern Ue⸗ berzeugung, daß ſie in Kenneth von Schottland den Ritter erblicken muͤffe, den das Schickſal dazu be⸗ ſtimmt habe, in Wohl und Wehe— und die Ausſich⸗ ten waren duͤſter und gefaͤhrlich— die leidenſchaft⸗ liche Anhaͤnglichkeit mit ihr zu theilen, welcher die Dichter jenes Zeitalters eine ſo allgemeine Herr⸗ ſchaft zuſchrieben, und die deſſen Lebensart und Sit⸗
tenlehre faſt auf gleichen Fuß mit der Andacht ſelbſt
ſetzten. Wir wollen unſern Leſern die Wahrheit nicht
verhehlen. Als Edith den Zuſtand ihres Herzens
wahrnahm, ſo gab es, obwohl ihre Geſinnungen ritter⸗ lich waren, wie es ſich fuͤr ein Maͤdchen geziemte, das nicht ferne vom Throne Englands ſtand, und ihr Stolz ſich durch die zwar ſtumme, allein ununterbro⸗ chene Huldigung des von ihr ausgezeichneten Ritters geſchmeichelt fuͤhlen mußte, doch Augenblicke, wo die Gefuͤhle der liebenden und geliebten Jungfrau ſich gegen den Zwang, zu dem ſie ſich verurtheilt ſah, auflehn⸗ ten und ſie faſt die Schuͤchternheit ihres Liebhabers tadelte, der die beengenden Schranken nicht zu durch⸗ brechen entſchloſſen ſchien. Die Etikette, um mich eines neuern Ausdrucks zu bedienen, die Etikette der Geburt und des Rangs hatte einen magiſchen Geiſt um ſie gezogen, uͤber den ſich Sir Kenneth zwar hin⸗ beugen und blicken durfte, in dem er aber eben ſo wenig ſich bewegen durfte, als ein beſchworner Geiſt


