Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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Briefe, die wir erhielten, theils durch die Mittheilungen, die uns die wieder geneſene Chuanete machte, ſtets von dem Gange der Unterhandlungen unterrichtet. Denn in dem Serail Schamyl's ging es nicht anders zu als in jedem abend⸗ oder morgenländiſchen Palaſte, und wenn die

Frauen Schamyl's auch vielleicht keinen directen Einfluß

auf die Entſchlüſſe des Imam hatten, ſo wußten ſie doch ſtets, was geſchah, und kannten die Gründe ſeiner Entſchlüſſe. Chuanete theilte uns mit, daß Schamhl mit Sehnſucht der Auslieferung ſeines Sohnes entgegenſehe und deshalb gern bereit ſei, unſer Löſegeld geringer an zuſetzen, daß aber das Volk, deſſen Wünſche er beachten müſſe, auf einer ſehr großen Summe beſtehe, ja, daß man von einer Million ſpreche. Schamyl verfiel, um ſeine Pläne zu fördern, auf ein Mittel, würdig eines ſo klugen Mannes. Er ließ die Weiſung an einen be⸗ rühmten Eremiten ergehen, in Dargo⸗Weden zu predi⸗ gen, und wahrſcheinlich auf den Rath Schamhl's wählte der fromme Mann die Mäßigkeit und die Verachtung irdiſcher Güter zum Thema ſeiner Predigten. Dies wirkte auf das Volk. Zugleich ſchrieben die ruſſiſchen Beamten oder Offiziere, die mit der Auswechſelung beauftragt wa⸗ ren, daß ſie die ganze Unterhandlung abbrechen würden, wenn man eine höhere Summe als fünfzigtauſend Ru⸗ bel beanſpruche. Dies fruchtete. Die Unterhandlungen nah⸗