Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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ſen, wohin eine ihrer Freundinnen ſich verheirathet. Sie machte deshalb einige Abſchiedsbeſuche in der Umgegend.

Stauropol liegt, wenn auch nicht allzufern vom Kau⸗ kaſus, doch inmitten einer ſo vollkommen friedlichen Bevöl⸗ kerung, daß man dort, wie mitten in Rußland, ohne jede Beſorgniß und beſondere Vorkehrung reiſt. So war auch Helene, als ſie ihren letzten Beſuch machte, nur von einer Tochter des Oberſten und einem Diener begleitet. Als ſie am Abend zurückfuhr, wurde der Wagen indeſſen plötzlich angehalten, Helene fühlte ſich ergriffen, auf ein Pferd geſetzt und fortgeführt. Sie wußte ſogleich, was mit ihr geſchehen und wer ſie entführte; Schmerz und Schrecken raubten ihr Sprache und Beſinnung. Als ſie im Morgengrauen des nächſten Tages die Augen auf⸗ ſchlug, erkannte ſie in der That Aimar⸗Eddin neben ſich. Doch ſprach er nicht mit ihr. Man ritt faſt ohne Un⸗ terbrechung bis nach Dargo⸗Weden, wo Aimar⸗Eddin ſeinen Wohnſitz hatte, da er zur unmittelbaren Umge⸗ bung Schamyl's gehörte. Hier wurde ſie in den Ha⸗ rem Schamhl's geführt, als Gefangene.

Es iſt leicht zu begreifen, was nun folgte. Aimar⸗ Eddin, die Frauen des Harems und Schamyl ſelbſt be⸗ mühten ſich, ſie zu überreden, die Gattin des jungen Tſchetſchenzenführers zu werden, den ſie ihr als ein Muſterbild von Schönheit, Ritterlichkeit und außerdem