Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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Vor zwei Jahren nun war ein Tſchetſchenzenführer, Aimar Eddin, von den Ruſſen in einem Gefecht gefangen und nach Stauropol geführt worden. Da man wufßte, daß er aus einer der erſten Familien der Gebirgshäupt⸗ linge ſtammte, ſo behandelte man ihn mit Achtung und Aufmerkſamkeit, denn es war die Politik der ruſſiſchen Regierung, ſo viel als möglich auf die Gefangenen ein⸗ zuwirken und ſie für ſich einzunehmen. Aimar⸗Eddin lebte alſo im Hauſe des Oberſten O. des Beſchützers der Gräfin Helene nicht wie ein Gefangener, ſondern mehr wie ein Gaſtfreund. Der Oberſt war angewieſen, mit ſeiner Familie dem Gefangenen alle mögliche Auf⸗ merkſamkeit zu erweiſen. Dieſer ſpeiſte am Tiſche und verbrachte die Abende in der Familie. Im All⸗ gemeinen pflegen die gefangenen Tſchetſchenzen ſich we⸗ nig um dieſe Gunſt zu kümmern und ſuchen die Ein⸗ ſamkeit, um ihren Gedanken an die Berge nachhän⸗ gen zu können. Aimar⸗Eddin jedoch ſchien ſich in der Familie ſehr wohl zu fühlen, und bald bemerkte Helene, daß ſie ſelbſt der Grund der Vorliebe ſei, die der Sohn der Berge für das ruſſiſche Familien⸗ leben gefaßt hatte. Er ſprach ganz gut ruſſiſch, da er ſich ſchon früher einmal in ruſſiſcher Gefangenſchaft befunden hatte und überhaupt große natürliche Anla⸗ gen zu beſitzen ſchien, und benutzte jede Gelegen⸗