Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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ſprach einige Worte in ruſſiſcher Sprache, und als Nina und Sophia ihr in derſelben Sprache antworteten, ſank ſie in die Kniee, küßte Nina's und Sophia's Hände, brach in Thränen aus und war längere Zeit unfähig, ein Wort zu ſprechen. Ich will in Kurzem wiedergeben, was mir Nina und Sophia ſpäter über das Schickſal unſerer Leidensge⸗ fährtin mittheilten. Die Gräfin Helene G. ſtammte aus einer in. Ruß⸗ land angeſehenen und geehrten Familie von urſprünglich deutſcher Herkunft. Ihre Aeltern waren nicht reich gewe⸗ ſen, und in einem Proceſſe, den einige ruſſiſche Familien des geringen Erbtheils wegen erhoben, verlor ſie den letzten Reſt ihres Vermögens, da ihr Vormund ſich ihrer nicht, wie er geſollt hätte, annahm. Als Waiſe wohnte ſie bei einem Freunde ihres Vaters und begleitete die Familie deſſelben nach Stauropol, als er dort ein hohes Militärcommando übernahm Obgleich, wie Jeder be⸗ merken mußte, von großer Schönheit und wie mir Sophia ſagte und wie ich auch ſelbſt einſah von einer in Rußland nicht gewöhnlichen Bildung, fand ſie doch keinen Mann, mit dem ſie ſich für das Leben hätte verbinden wollen. Einige Anträge ſchlug ſie aus, da ſie ihr Herz nicht befriedigten. Doch ließ ſie durchblicken, daß ſie einen jungen Mann geliebt, der jedoch nicht die Mittel beſaß, einen eigenen Herd zu gründen.