Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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ihr in georgiſcher Sprache zugeflüſtert, daß er ein Unter⸗ händler ſei und unſere Briefe an ſich nehmen wolle. Ich übergab ihm darauf Alles, was ich bis dahin geſchrieben, und fügte Grüße und Tröſtungen für meinen Vater hinzu. Auch Nina und Sophia ſchrieben einige Worte. Noch habe ich keine Nachricht, ob dieſe We meinem Vater zugegangen ſind.

Auch was uns Schamhl von der jungen Ruſſin er⸗ zählt hatte, die in Stauropol gefangen worden ſein und ſich in Dargo⸗Weden befinden ſollte, beſchäftigte uns ſehr lebhaft. Sophia und Nina hatten nichts von einer ſolchen Entführung gehört. Wir beſchloſſen, die Frauen Schamyl's zu fragen und den Verſuch zu machen, wenn es irgend möglich ſei, unſere Leidensgefährtin kennen zu lernen. Unſer Wunſch ging eher in Erfüllung, als wir gehofft hatten.

Eines Abends nämlich es war am fünften Tage nach unſerer Ankunft in Schamyl's Reſidenz als wir eben im Begriff waren, uns niederzulegen, kam eine dunkle Geſtalt wie ein Schatten in unſer Zimnmer ge⸗ huſcht. Wir glaubten zuerſt, es ſei eine Dienerin, denn ſie alle hatten dieſen leiſen, ſchleichenden Gang. Aber als ſie den Schleier, der ſie verhüllte, zurückſchlug, er⸗ kannten wir ein feines, blaſſes Geſicht von hoher Schön⸗ heit, das wir bis dahin noch nicht erblickt hatten. Sie