Brief zu überreichen, der an Nina adreſſirt war. Nina erbrach denſelben mit großer Ungeduld, aber ihre Hoff— nung, daß es ein Brief des Grafen Brazow ſei, be⸗ ſtätigte ſich nicht. Der Brief war von einem Freunde Brazow's, Commandanten eines Poſtens an der Mili— tairſtraße, der von unſerm Unfall Nachricht erhalten und uns jene Geſchenke ſendete, die uns in der That ſehr erwünſcht kamen.
Mir wurde die erſte Nacht in der Reſidenz Scha⸗ myl's ſehr lang, da ich wenig ſchlafen konnte. Ich er⸗ hob mich mit Tagesanbruch und muſterte unſere Zimmer und die äußern Räume. Der Hof war von mehreren Gebäuden umgeben, ſämmtlich von Holz; wie bereits erwähnt, umſchloß ihn eine bedeckte Gallerie. Später er— fuhr ich, daß in dem gegenüberliegenden zweiſtöckigen Hauſe Schamyl wohne. Ueber ſeiner Wohnung befand ſich ein offener Voden, auf dem man Fleiſch trocknete. Das Haus Schamhl's enthielt einige Fenſter mit Glas⸗ ſcheiben. Von unſern Fenſtern aus bemerkte ich auch einen Pavillon, den die Naibs bewohnten. Von einem Fenſter dieſes Pavillons ſoll Schamhl ſein Volk anreden, menn er es für nöthig hält, zu demſelben zu ſprechen. Das Ganze machte mir einen ſehr be⸗ ſcheidenen, durchaus nicht imponirenden Eindruck. Doch waren die Räumlichkeiten groß. Mehrere Hundert
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