Teil eines Werkes 
2. Band (1866)
Entstehung
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nes aus Rache getödtet und mußte nun drei Monate in dieſem Gefängniſſe zubringen. Nach Ablauf dieſer Zeit mußte ſie die Hand des erſten Mannes, der ſie zur Gat⸗ tin forderte, annehmen. Ueberhaupt kann, wie wir er⸗ fuhren, keine Frau hier länger als drei Monate Wittwe bleiben. Später ſahen wir zwei ruſſiſche Gefangene in einen andern Graben hinablaſſen. Nina bat den Mullah, ſie von der Strafe zu befreien, und da er in dieſem Aul Richter war, ſo erfüllte er ihren Wunſch und ließ die Gefangenen, die ſich jene Strafe durch einen vereitelten Fluchtverſuch zugezogen, auf ſeinen Feldern arbeiten.

Durch die Güte dieſes Mullah erhielten wir auch ein Stück Leder, aus welchem wir uns mit welchen Anſtrengungen, da faſt alles Nothwendige uns fehlte, will ich gar nicht beſchreiben Schuhe verfertigten, eine Wohlthat für uns, da unſere dünnen Stiefelchen uns nur wie Sandalen an den Füßen hingen. Hätten wir Geld gehabt, ſo hätten wir uns Manches kaufen können, denn die Dienerin, die uns Nadel und Zwirn beſorgte, erzählte uns, daß es förmliche Läden in dem Aul gebe. Aber wir alle zuſammen beſaßen nicht eine Kopeke. Wir waren einzig und allein auf das Wohl⸗ wollen der Kaukaſier angewieſen, und dieſes war den Mullah ausgenommen nicht groß.

Wir blieben drei Tage in dieſem Aul. Dann er⸗ Mützelburg, Der Held von Garika. I. 15