226 hielten wir die Nachricht, daß Schamyl von ſeinem Zuge zurückgekehrt ſei und daß wir aufbrechen müßten. Eine Reiterſchaar nahm uns in ihre Mitte. Das Wetter war ſchön, der Weg führte durch ein Paradies. Felder und ſchattige Baumgruppen, blumenbedeckte Wieſen mit kry ſtallklaren Bächen, Heerden von ſchönem Vieh, die auf den Wieſen weideten, boten ſich in ununterbrochener Rei⸗ henfolge unſern Blicken dar. Alle Höhen waren mit Auls gekrönt, zu denen ſteile Wege emporführten. Nina erzählte uns lachend, daß ihre Dienerin geäußert, dieſe Tſchetſchenzen müßten Teufel ſein, ſonſt würden ſie nicht ſo hoch wohnen, aus Furcht, ſich den Hals zu brechen. Darauf gelangten wir in einen Hohlweg zwiſchen zwei Felſen, der nur wenige Fuß breit war und wo einer hinter dem andern reiten mußte. Wenn dies der einzige Zugang zu Dargo⸗Weden war, ſo konnte wohl niemals ein Feldherr bis dorthin vordringen. Ich hörte jedoch ſpä⸗ ter, daß an andern Stellen der Zugang weniger ſchwie⸗ rig iſt. Dieſen Hohlweg verlaſſend, ſahen wir auf wei⸗ ter Ebene den berühmten Aul von Andi vor uns, den Wohynſitz der echt kaukaſiſchen Raſſe, der tſcherkeſſiſchen Ariſtokratie, die jedoch die alte Einfachheit der Sitten bewahrt zu haben ſcheint. Denn als wir weiter zogen, bemerkten wir einige Frauen, mit weißen Krügen auf dem Kopf, verſchleiert und in ſehr einfachen Anzügen,
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