31
ſelbſt werde noch eine Zeit lang in ſeinem Zimmer Briefe ſchreiben und ſich nur dann perſönlich in der Nacht nach ihrem Befinden erkundigen, wenn ſie ihn zu ſehen wünſche.
Es war zwiſchen neun und zehn Uhr. Sophia er⸗
hob ſich, über Kopfweh klagend. Der Major nahm Ab⸗ ſchied und verſprach dem Grafen auf deſſen Bitte, ihm ſchleunigſt jede wichtige Nachricht mitzutheilen, die er aus Tiflis oder von Kutais und Oſuregethi her erhalte. Die letztere Stadt, im Süden von Gurien, hart an der türkiſchen Grenze gelegen, war ſchon ſeit einigen Wochen im Beſitz der Türken, die von dort aus Kutais, die Hauptſtadt Imerethiens, bedrohten. Eine halbe Stunde darauf herrſchte tiefe Ruhe im Schloſſe. Hier irgendwelche Vorſichts. oder gar Ver⸗ theidigungsmaßregeln zu treffen, daran hatte Niemand gedacht. Im Nothfall war Dari eine natürliche, wenn auch ſchwache Feſtung, und eine tapfere Beſatzung konnte es vor einem Handſtreich ſchützen. Man lebte hier wie mitten im tiefſten Frieden. Diebe kannte man nicht, deshalb wurden auch keine Wächter aufgeſtellt. Der Berg und das Schloß Dari ſowie das Städtchen unten am Karaſſu waren um zehn Uhr vom tiefſten Dunkel und vom tiefſten Schweigen eingehüllt.
Der Major hatte, ungefähr zehn Minuten von dem


