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Bis Sonnenuntergang blieb Sophia allein auf ihrem Zimmer. Zum erſten Male in ihrem Leben fühlte ſie, daß eine gewaltige Hand ſich nach ihr ausſtreckte, ihr Schickſal in eine beſtimmte Richtung drängen wollte, und mit der ganzen Widerſtandskraft ihres Geiſtes lehnte ſie ſich dagegen auf. Bisher war ſie frei geweſen, und dieſe Freiheit hatte ihrem Daſein, das ſonſt in der letz⸗ ten Zeit wenig Veränderung bot, Reiz und Abwechſe⸗ lung verliehen. Das Spiel der Koketterie, mit welchem ſie bald den Major, bald Daniel an ſich zog und ab⸗ ſtieß, war ihr einziges Vergnügen geweſen und hatte ihrem Charakter ſo ſehr entſprochen, daß dieſer plötz⸗ liche Zwang ſie faſt niederwarf und ihren Geiſt für ei⸗ nige Zeit lähmte.
Ja, es war eine gewaltige Macht, die ſich in ihr Schickſal hineindrängte, das verbarg ſich Sophia keinen Augenblick. Der Wunſch der Regierung, faſt gleichbe⸗ deutend mit Befehl, duldete kaum einen Widerſpruch. Der Wortlaut jenes Briefes, den einer der erſten Män⸗ ner des Reichs an den Bruder geſchrieben, ließ keine doppelte Auslegung übrig, er verlangte aus politiſchen Gründen die Heirath Sophia's mit Daniel. Was konnte ſie dagegen thun? Ihr Geiſt lehnte ſich auf, bäumte ſich, wollte die Feſſel abwerfen, aber die Vernunft, ſo⸗ bald ihre bleichen Strahlen durch die Wolken des Zorns


